Samstag, 10. Januar 2015

Charlie

Da liege ich letzten Sommer in unserem 20-jährigen, noch dichtem Gummiboot und lasse mir die Sonne auf den Ranzen scheinen. Ja, es gab tatsächlich solche Tage im Sommer 2014.
Vis a vis liegt mein grosser Sohn.
Knapp 5 Jahre alt.
Damals.
Nichtschwimmer!
Aufgeplustert mit einer Schwimmweste macht er einem bunten und lustigem Huhn Konkurrenz.

Wir verbringen auf dem Zeltplatz nahe von unserem Wohnort im Hauszelt aus meiner Kindheit die Sommerferien.
Wir wollten es eigentlich verkaufen und haben dann festgestellt, wie viel Spass es doch macht.
An jedem sonnigen Tag kommen Freunde vorbei und wir geniessen das herrliche Nichtstun.

Zurück zum Boot. Während meine Gedanken höchstens zwischen dem nächste Espresso und einem Glace hin und her wandern bin ich tiefenentspannt.
Mein Sohn quatscht mir die Ohren voll und ich brumme ab und an ein zufriedenes „ehmmm..oder jaa...“

Ich bemerke nicht wie die 4 Jungs auf dem ehemaligen Affenfels Pläne schmieden.
Als sie mein kleines Boot kentern und ich ins ziemlich kalte und nasse Wasser fliege habe ich nur zwei Gedanken.
Wo ist mein Sohn und wo ist Unten und Oben..?!

Als ich wieder an die Wasseroberfläche komme sehe ich meine Mutter auf uns zu schwimmen. Ich merke, dass mein Sohn dank Schwimmweste an der Wasseroberfläche ist und rufe meinem Mami zu, sie solle sich um ihn kümmern.
Unbekannt Kräfte setzen sich in mir frei.
Fange an und schwimme den Jungs nach.
Früher war ich eine Topschwimmerin. Betonung liegt auf früher...
Doch als der letzte dieser 4 elenden Saugoofen den Sprungturm erreicht habe ich die Leiter auch schon erklommen.
Viele, viele Jahre Jahre war ich nicht mehr so ausser mir.
Mir lief, während ich diesen 4 ziemlich arroganten und anteillosen Jungs zusammen pfiff, der Rotz zur Nase aus.
Entsetzt musste ich feststellen, dass denen das am Arsch vorbei ging.
Keine Erklärung oder Eingeständnis von ihrer Seite aus.
Nada. Nichts.
Ausgelacht haben sie mich.

Noch zitternd, aber plötzlich absolut ruhig verlasse ich den Sprungturm und schwimme auf meine entsetzt vom Seerand zuschauende Familie zu.
Meine Schwester hat alles fotografiert.
Alle Gesichter sind festgehalten für die Ewigkeit.

Manchmal während man so richtig ausflippt, lösen sich die Probleme von alleine.
Ich glaube in meinem Fall bekommt das Hirn beim Schreien mehr Sauerstoff.
Ich kann dann blitzschnell denken.
Reagieren.

Diese Jungs sind 14. Sie reden nicht denselben Dialekt wie ich.
Sie sind auf dem See.
Irgendwann kommen sie rein.
Unmöglich sind sie alleine hier.
Ich habe Geduld.
Viel Geduld...

Als ich sie wenig später bei ihren Eltern stelle, sind diese entsetzt. Als ich ihnen klar aufzeige, was sie gemacht haben. Wie gefährlich es war. Wie sinnlos. Welche Konsequenzen es hat. Und ganz abgesehen davon, dass man das nicht macht., ihnen erkläre wie schnell bleibende Schäden zu erwarten sind, wenn man unter Wasser ist...
Erst dann versuchen sie sich im entschuldigen.
Immer noch sauarrogant!

Ich hätte es eventuell angenommen...
Das SORRY.
Wenn sie nicht immer gesagt hätten..
„Ey Mann, ich ha ned gwösst, dass de ned cha schwemme..“

Nach dieser lächerlichen Entschuldigung habe ich ihnen gesagt, dass solche Arschlöcher wie sie niemals eine Lehrstelle finden. Weil man in keinem Betrieb solche Menschen gebrauchen kann. Dass man sie nirgends gebrauchen kann. Niemand sie nett finden wird. Ehrliche Freundschaft pflegen wird. In meinem Sicht Looser seien und der grösste Abschaum einer ganzen Nation!

Fehler darf man machen...aber solche Entschuldigungen gehen nicht.
Nein.
Niemals!


Es hat mich tief befriedigt. Zu sehen dass ihnen das Lachen vergangen ist.

Und was bringt das neue Jahr?
Besserung?!
Wohl eher nicht!

Meine Bleistifte sind gespitzt. Ich bin ehrlich. Sage meine Meinung und bin tieftraurig, was hier zu Lande und soeben in Frankreich geschehen ist.
Muss ich jetzt um mein Leben fürchten?

Nur weil ich eventuell eine eigene Meinung habe und dazu stehe?

Einem Arschloch sage, dass es ein solches ist..

Seid meinem Beitrag über Atomstrom habe ich das nämlich unterlassen. Mich politisch oder zu irgendwelchen Glaubensrichtungen zu äussern.
Auch wenn ich zu beiden eine rigorose und klare Meinung habe.
Nicht dass mich wieder der Sonntagsblick kontaktiert.
Ich weiss NICHT wie es in den Schweizer Kernkraftwerken aussieht.
Ich bin kein Nuklearprofi.
Ich bin gelernte Bäcker-Konditorin und arbeite heute schon lange bei einem Unternehmen, das irgendwie niemand mag.
Ich natürlich schon!
Nur dass das so mal erklärt ist.
Bitte kein Sonntagsblick.
Merci!

Mich irritiert einfach wie wir heute miteinander umgehen. Welches radikale Handeln wir an den Tag legen. Immer irgendwie mit einer simplen Entschuldigung auf Lager. Oft ist das bekackte Elternhaus, eine mobbendes Schuelgschpändli, die Glaubensrichtung oder etwas noch dümmeres griffbereit.
Ein einfaches „Sorry, tut mir leid, wollte ich nicht“ rutscht sofort und ohne zu überlegen über die Lippen. Danach ist es vergessen.
Man hat sich ja entschuldigt.
Ist wieder gut...

Das Leben kann weitergehen..


Noch immer lese ich in den Zeitungen von Gerri. Ja der Nacktschwanz Gerri.
Der wollte auch einfach Sorry sagen.
Geht halt einfach nicht.

Wie sich die sieben Zwerge entschuldigen anlässlich der aktuellsten Botschaft aus Bern, das erwarte ich mit Spannung.

Viele Handlungen in diesem kurzen neuen Jahr. Wir suchen Schuldige und möchten, dass sich jemand dafür entschuldigt. Anfangs Jahr in der Schweiz oder soeben auch in Frankreich. Wo Kinder und viele Menschen unschuldig gestorben ist.
Ich bin entsetzt über dieses sich die Schuld in die Schuhe schieben.
Eine Tat bleibt eine Tat.
Egal welchen Hintergrund, welchen Glauben oder welche Verzweiflung wir mit uns bringen.

Gewisse Sachen sind einfach nicht entschuldbar..  

Mit liebem Gruss und auf ein friedliches 2015,
Eure Eve

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