Sonntag, 29. April 2012

HUGO

Als junges Mädchen (oh ich habe dieses Wort gehasst "Teenager") war ich laut, stürmisch und alles andere als angepasst. Doch ich war freundlich, zuvorkommend und stets gut gelaunt.
Ein Grund weshalb man viel mit mir machen konnte. So erlebte ich zum Beispiel 3 grauenhaft unfreundliche Lehrjahre. Im Glauben, dass nicht einmal meine Eltern diesem vorwitzigen Ding glauben schenken würden, habe ich beinahe zwei (lange Jahre) darüber geschwiegen was wir so Nacht für Nacht im Lehrbetrieb erleben mussten. Als ich endlich darüber sprechen konnte wurde es nicht einfacher aber erträglicher.
Ich hatte mir verbündete ins Boot geholt!

Noch heute läuft es mir kalt den Rücken ab, wenn ich meinen ehemaligen Lehrmeister sehe. So letzte Woche geschehen. Hat er mich in seinem Auto gekreuzt. Ich möchte laut schreien. Nicht über die verlorenen drei Lehrjahre. Nicht über diese unerträglichen Stunden in seinem Betrieb. Nicht über die sinnlos geweinten Tränen!
NEIN, darüber, dass ich mich viel zu selten gewehrt und für mich eingesetzt habe!!
Ich war Gottverdammte sechzehn Jahre alt und wollte lernen. Und er?! Er wollte seine Launen ausleben. An jungen motivierten Menschen.
Ich habe noch heute das, starke, Bedürfnis ihm irgend einmal die Meinung zu sagen und dann mit flacher Hand ihm seine scheiss Pfeife ins Gesicht zu drücken!

Schon damals, ich sechzehn Jahre jung, war es meine drei Jahre Jüngere Schwester die stark war. Sie die leise, nicht sehr freundliche und energische Pipa.
Diese Eigenschaft, welche bestimmt nicht immer sehr gut ankommt, hat sie von unserem Vater. Einem gradlinigen, ehrlichen und sehr korrektem Mann. Einer der alle erdenklichen Schweizer Schimpfwörter gerne und auch oft anwendete!
Oh wie habe ich mir diese Eigenschaften gewünscht.
Einer der aber ebenso nett und grosszügig war. Und sehr emotional!
Halt so wie ich bin!


Ich hatte zwar den Mut stets das letzte Wort zu haben...um dann kuschend doch jeden Scheiss zu machen.
Für Freunde konnte ich mich zu jedem Zeitpunkt einsetzen doch für mich?! Never...!

Nach meiner Zeit als Lehrling hatte ich "gottseidank" den Mut weiter auf meinem Beruf zu arbeiten. Ich konnte währen 4 Jahren in einer Backstube in Würenlos arbeiten. Dass ich Hans Schwab kennenlernen durfte war ein grosses Geschenk! Erstens habe ich festgestellt, das nicht jeder Bäcker ein Riesen Arschloch sein muss und er gab mir die Chance alles nicht erlernte noch an zueignen. In seinem Betrieb durfte ich wachsen und selbstbewusst werden. Ich bin überzeugt davon, dass man jedem Produkt welches die Backstube von Hans und Maja Schwab verlässt, die nette "Menschenhaltung" anmerkt. Ihre Kinder sind gute Freunde von mir. Einfach eine flotte Family!

Als ich 2003 zu der Schweizerischen Post wechselte war ich eine gefestigte Person. Stark genug um mit jedem Menschen klar zu kommen. Ich setzte mich für mich ein ohne mein freundliches Wesen zu verlieren. Ich glaube ich darf von mir behaupten absolut Kundenfreundlich zu sein.  Ich hatte seit meiner Ausbildungszeit nie mehr mit einem Vorgesetzten Probleme. Überall konnte ich mich an einer guten Zusammenarbeit erfreuen und wurde stets gefördert!
Doch kommt ein Bäckerarschloch wie der Herr Lüscher vorbei, kann ich auch gut nein sagen.
So nicht mit mir!

So geschehen letzten Mittwoch und so kommen wir zur eigentlichen Geschichte heute.
Wow, das ist mal weit ausgeholt...sehr weit sogar für mich ;o)

Ich war mit klein J. shoppen und anschliessen im Migrosrestaurant. Während wir zwei Alten einen Kaffee tranken spielte mein Sohnemann im HUGO Häuschen (Wo sonst?!). Als es Zeit für die Heimreise war, ging ich zu ihm und sagte ihm er dürfe noch einmal die Rutschbahn runter rutschen. Doch diese angekündigte Heimreise fand er gar nicht prickelnd und verfiel Null Komma nichts in ein Riesen Geschrei! Darauf hin erklärte ich im ruhig er habe nun genau zwei Möglichkeiten. Entweder sofort diese Schreierei einzustellen und diese Rutsche zu benützen oder wir würden SOFORT nach Hause fahren.
Er ignorierte meine Drohung und schrie weiter. So packte ich den 13 Kilomann unter der rechten Arm (einen Riesen Mist wenn man nur noch 5 Kilo heben sollte) und steuerte meine Schwester an. Die schon am zusammenpacken war. (Das nennt sich Teamwork)
Ich war sehr stolz auf meine konsequente Erziehung und ignorierte darum auch beinahe die anderen Menschen.
Am vordersten (!!) Tisch zum HUGO Häuschen sass ein pensioniertes Grosselternpaar mitsamt einem sehr adrett und ordentlich ausschauendem zirka 5 Jährigen Mädchen. Wie ich also mit meiner Sirene diesen Tisch passiere höre ich wie der Herr zu MIR sagt: "Geht ja gar nicht dieses Geschrei"
Ich lief weiter um einen Tisch später den heftigen Arschtritt von Pippa und Papi zu spüren! "Eveline wehre dich!!" So mache ich einen eleganten Schritt zurück und sage: "SORRY, was haben sie eben gesagt?! Er schreit zu laut?! Sitzen sie doch das nächste Mal bitte ins Hugo Häuschen und so nebenbei, Sie haben bestimmt nie geschrien, he?! Also mit ihnen wäre ICH bestimmt auch nicht raus!"

Jäno, manchmal klappt es manchmal nicht. Manchmal bin ich wie mein Mami und klein J. und viel zu nett. Manchmal bin ich Pippa und wehre mich und manchmal..ganz selten benutze ich alle erdenklichen Schimpfwörter wie Papi...aber das meistens nur im Kopf, im Wunschdenken...zu Hause. So zum Beispiel wenn ich sagenhafte 45 Minuten im Wartezimmer sitze und artig lächle, wenn die Ärztin dann um 5 vor 11 trotzdem noch kommt. Der liebe Ro aber nach der langen Warterei schon wieder zum nächsten Kundentermin muss und beim grossen 20 Wochen Check, genau 5 Minuten dabei ist. Der begleitet mich sicher nie mehr... ;o(
Gopferdammihueresiech nonemol!!!

En tolle Wochestart morn,
Eveline



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