Montag, 6. Mai 2013

Raichle reich!


Letzten Monat war ich wieder einmal in der grossen Stadt.
Ich hatte mich auf ein Znacht mit zwei wunderbaren Menschen verabredet.
Vorgängig wollte ich mit einer guten Freundin ein bisschen einkaufen.

Kleider kaufen mit Zeitdruck ist mir ein Greuel.
Hier finde ich ja nichts gescheites und da ich mit zwei kleinen Kindern nie mehr alleine unterwegs bin, musste daher so ein Kinderfreier Einkaufstag her!
Daher der Trip in die grosse Stadt.

Ich hätte lieber in der Zeit etwas alkoholisches getrunken. Gibt ja ein, zwei schöne Plätze in Zürich, wo man dies gemütlich tun könnte.
Aber nein.
Kleider braucht die Frau!


Eine grausame Aufgabe. Ich hasse es.
In einem Laden sind wir sagenhafte 20 Minuten angestanden.
Vollbepackt wie ein Maulesel stehe ich in einer Schlange, wie sie nur noch aus DDR Zeiten bekannt ist und hoffe sehnsüchtig auf etwas wie ein positives Einkaufsende.


Die grell leuchtenden Spotlampen scheinen dir auf den Körper und machen jeder spanischen Sonne im Hochsommer Konkurrenz.
Anscheinend hat es die hier bekannte LED Technik noch nicht ganz auf Zürich geschafft!
Mir wird langsam heiss und heisser. Ein Ende der Schlange ist trotzdem noch nicht in Sicht.
Endlich, ich passiere die Kabinenkontrolle. Logischerweise hat das Landei zu viele Kleiderstücke dabei. Ich habe eine munzige Handtasche dabei. Entnervt erkläre ich einem spindeldürren Kind, dass ich unmöglich etwas klauen kann. Jedes weitere Kleidungsstück an mir fällt auf und ich würde mit nur einer Lage mehr sofort an einem Hitzeschock sterben.
Sie schaut mich etwas entgeistert an...
Langsam richtig gereizt dränge ich mich in eine schmudlige und enge Umziehkabine, die wiederum grell beleuchtet ist.
Dankbar ziehe ich meinen Mantel ab, hänge die Tonne Kleider, welche über meinen halb abgestorbenen Arm baumelt an einen Hacken und massiere meinen schlecht durchbluteten Unterarm.
Ich bin schweissnass.
Langsam mache ich mich ans Anprobieren.

Richtig angepisst bin ich aber erst, als mir von den 8 ausgesuchten (!!) Kleiderstücken gerade 1 (!!!!) einziges wirklich passt.
Verdammt, warum können die die Kleider nicht mit der richtigen, fairen Kleidergrösse belabeln?

Etwas emotional denke ich an die Zeit zurück, wo mir noch fast alles gepasst hat und mir die Kleider inklusive Getränk in die Kabine geliefert wurden.
Damals hat aber auch eine Jeans so viel gekostet wie der ganze Ausflug nach Zürich an diesem Samstagnachmittag!!!

Also anderer Laden, neues Glück.
Es läuft besser. Deutlich weniger Gedränge vor den Kabinen und tatsächlich ein, zwei Sachen die sogar an mir toll aussehen.
Meine Stimmung steigt.
Auch werden meine Freundin und ich in diesem Laden von dem wohl nettesten Mann ergänzt.
Meine Stimmung steigt noch mehr!

Dann will meine Kollegin noch in “the House of Brands“.
Ich: wohin?!
Sie: In den Jelmoli, du Landei.
In die Sportabteilung dort.
Ich beginne zu nörzen..
Was soll ich dort machen?!
Ich stehe nicht wie sie auf hunderfränkige Flatterhöschen zum Turnen. Da ich schlicht keinen Sport mache, wo es solch Flatterhöschen benötigt.
Aber nicht so sie…
Also nichts wie los. Erobern wir halt noch den Sportabteil.
Mir hätte ja die Haushaltsecke mehr Spass gemacht.
Dachte ich.

Aber was hat es in der Sportabteilung?
Was he?
Richtig!
Schuhe.
Es hat Turnschuhe.
Viele bunte Schuhe.
Ich flippe ein wenig aus.

Wir probieren einige an, die anderen streicheln wir nur uns stellen sie wieder zurück.
Dann sehe ich ihn.
Einen Wanderschuh.
Pink.
So einen, wie ihn der Herr Hartmann im Schweizer Fernsehen immer trägt.
So einen wie ich ihn immer schon wollte.
Ich bin verliebt.

Schuhe sind für mich Seelenbalsam. Auch wenn ich seit der 2ten Schwangerschaft um 3 sagenhaft grössere Grössen trage, bin ich mit meinen Füssen doch so ziemlich im Frieden.
Klar „reuen“ mich die vielen schönen Tretdinger welche mir nicht mehr gehen. Aber im Gegensatz zu meinen Kleidern bin ich mir zu jeder Sekunde bewusst, dass ich sie ohne Probleme ersetzten kann.
Ich ziehe sie an und wir harmonieren.
Nichts zippt, ist eng oder schmerzt.
Das war schon immer so.
Ich liebe Schuhe.
Schuhe finde ich immer.

Noch im Jelmoli sende ich meinem Mann per SMS ein Foto.
Kommentarlos und nur mit dem Preis.
Er schreibt zurück: KAUFEN!
Ich denke mir: Der hat Nerven...bei meinem 20%-Pensum...



Ich habe Zürich an diesem Abend ohne Wanderschuhe verlassen.
Trotzdem rundum glücklich.


Doch zu Hause habe ich allen von diesem Schuh erzählt.
Wie schön er sei..

Vor 14 Tagen hatten wir an einem Samstag nur den kleinen Mann bei uns.
Der Grosse war beim Grosi.
So konnten wir in den Sportladen im Nachbardorf.
Der Mann suchte einen neuen Turnschuh.
Im Ladeneingang, Sicht nach vorne, was sehe ich dort?
Es leuchtet Pink.
Mein Wanderschuh.
Okay denke ich.
Der will wirklich zu mir.

Sie mussten ihn bestellen. Grösser als gedacht. Letzte Woche wurde er geliefert.
Er war zu klein.
Also noch eine Grösse grösser.
Kein Problem.
Ist ja ein Schuh...

Aber etwas muss ich erwähnen.
Ich bin mit diesem Schuh eventuell ein bisschen overdressed.
Ihn als simplen Wanderschuh zu bezeichnen ist nicht ganz fair.
Er ist der schönste Schuh weit und breit, und ich kann mit ihm locker grosse Bergtouren machen.
Ich mag mich vage erinnern gehört zu haben, wie die Verkäuferin etwas von Steigeisen zu mir gesagt hat.
Ich konnte ihr nicht genau zuhören, so verliebt war ich.
Taub sozusagen.
Nicht aufnahmefähig für andere Vorschläge, wie zum Beispiel braune, halbhohe Wanderschuhe.
Nein ich wollte diesen...

So kommt es, dass ich jetzt Raichle reich bin! Ich besitze ein neues paar Schuhe und ich habe Schulden bei meinem Mann. Sicher bis 2014...

.....und gell Simi, das mit der Gletscherwanderung machen wir....bald...Das mit den Steigeisen
Die Schuhe dazu habe ich jetzt ja ;o)

Liebe Grüsse,
Eveline





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