Samstag, 1. Februar 2014

Nein, Nein, Nein... JA!


Schon eine halbe Ewigkeit besuche ich mit meinem Sohn die Physiotherapie.
Lange habe ich der ganzen Welt versucht zu erklären, dass ich ihn auch behalte, wenn er niemals im Leben das Laufen erlernt.
Was er aber natürlich tun wird...irgendwann. Das war allen von Anfang an klar.
Das wurde mir immer gesagt.
Er ist ja nicht krank oder behindert.

Er ist einfach ER!

Lange habe ich nicht verstanden, wofür diese Therapie gut sein soll.
Ich habe an die enormen Gesundheitskosten in der Schweiz gedacht und mich ehrlich gesagt grausam über diese verordneten Stunden genervt.
Habe es als unnötige Geldmacherei angeschaut.
Verstand meinen sonst genialen Kinderarzt nicht.
War sauer auf die Therapeutin.
Einfach, weil sie es war die aufzeigte, was nicht gut war.
Auch wenn sie nett zu uns war. Ich war wütend auf sie. Ganz weit in mir drinnen!
Habe mich darüber gestört, dass man Kinder nicht mehr Kinder sein lässt.
Alle vergleichen und normen will.
War traurig, warum uns das passiert.

Er nicht selbst bestimmen darf wann ER etwas erlernen will.
Dass man mir non stopp Angst macht.
Immer dieses Kopfkino..
Ist er wirklich nicht behindert?
Fehlt im wirklich nichts?

Nur weil der kleine Racker auch mit neun Monaten noch nicht krabbeln wollte!

Dann habe ich einer Freundin davon erzählt. Und dieser wunderbare Mensch, diese grandiose Mutter, mein Mami Vorbild, hat mich angehört und mich dann gefragt:
„Jo ond, Eveline, goht er de gern?“

Gute Frage!
Und wie so oft war diese kleine Frage so ein wichtiger Denkanstoss.
Einmal in sich zu gehen. Das Ganze von Aussen anzuschauen. Diesen kritischen Standpunkt zu verlassen. Aufzuhören auf die ganze Welt wütend zu sein. Es zu akzeptieren.
Das Gute darin zu sehen.
Auf das Bauchgefühl zu vertrauen!

Ja, sprudelt es aus mir raus. Er liebt es! Er geniesst diese Stunde nur mit mir und er turnt für sein Leben gern! Fahre ich mit dem Auto am Gebäude vorbei, fuchtelt er mit seinen kleinen Armen und zeigt mir deutlich, dass er gerne dort ist. Es gibt kein Halten, er will dorthin.
Er mag die Therapeutin.
Kurz, er mag alles dort.
UND ICH?
Ich mag die Stunde. Diese Stunde nur mit meinem kleinen Sohn!
Und wenn ich ganz ehrlich bin, auch ich mag die Frau. Seine Therapeutin!

Wie Vieles wurde einfacher. Wie Vieles ist einfacher wenn man es akzeptiert. Nicht wütend ist.
So wunderbare Möglichkeiten entstehen. Wenn man sich auf etwas einlässt und das Positive daran sieht.

Heute habe ich lange mit der Therapeutin geredet. Privat. Ganz tolle Ansichten hat diese Frau. Viele wie ich.
Auch sie ist Mutter.
Sie macht ihren Job, ich meinen.
Ihr Unrecht zu tun, nur weil sie mein Kind therapiert, war nicht fair und ziemlich dumm von mir!





Ich bin meinen Freunden so dankbar.
Dafür dass sie mich anhören.
Nicht immer meiner Meinung sind.
Und trotz Dauerbequatschung von meiner Seite ihren Standpunkt vertreten und mir ab und an die Augen öffnen...

...so wie ich vielleicht euch jetzt.

Danke fürs Zuhören und Umsetzen.

Nicht alles ist schlecht!
Nicht immer ;o)

Herzliche Grüsse,
Eve




Montag, 27. Januar 2014

Bling Bling adee


Für alle deutschen Leser, der Estrich ist in der Schweiz der Dachboden und der Estrich in meinem Elternhaus ist ein Mädchentraum.
Ein gewaltiger!
Dort sammelt sich unser gesamtes, top gepflegtes Spielzeug.
3 Jahrzehnte, 3 Mädchen und das alles umgarnt von einer Mutter die nichts weggeworfen oder weggegeben hat.
Jede Altersstufe ist abgedeckt.
Rosa und Lavendel dominiert. Von Barbie hatten wir von 1983 bis 1998 alles.
„Emel“ beinahe alles...
Denke ich!
Jedes Puzzle ist mädchenhaft.
Kein Buch geeignet für einen Jungen.
Es hat dort oben sogar original eingepackte Puppen die kacken.
Wirklich wahr!
Ich behaupte ja, sogar die Bauklötze sind nicht bubenhaft.

Kurz zusammengefasst, es hat alles. Für Mädchen.

Das ist recht dumm.
Weil wir ja bis jetzt nur Jungs bekommen…
und ich bei allen Jungs hier trotzdem ein Mädchen geblieben bin.
Ich mag Rosa, Lavendel.
Ich liebe Glitzer, Pompons, Bling Bling.
Schon immer.

Ich hasse Tarn- und Schlammfarben, Muster die nicht bunt sind. Ich mag Bubenplastik nicht.
Diese Manzgöggeli lachen ja nicht einmal. Kurz. Abgesehen von Brio und Visa Gloria kann kein Bubenspielzeug mit einem Mädchenspielzeug mithalten.
Basta!

Aber mein Sohn ist ein richtiger Bueb. Er mag zwar ab und an auch eins von unserem geliebten Estrich-Spielzeug. Aber oft hat er ganz eigene Wünsche. Klare Pläne. Klare Vorstellungen. Seine Traumsachen sind rot und haben ein kleines rotes Rennauto drauf!

Kurz zuvor waren wir auf Besuch. Auch bei einen Bubenfamilie. Der Grössere dort ist ein wenig älter als mein Sohn.
Einer der halt schon „drus chonnt“. Einer der spielzeugtechnisch weiss, wie der Hase läuft.
Genau der, welcher mein Sohn schon für die elenden Spielzeugeiersucht animiert hat ;o)
Dieser besitzt von CARS den Lastwagen MACK. Nein, natürlich nicht den neuen ferngesteuerten den man überall kaufen kann.
Er besitzt DEN Mack, der im Innenleben eine Autowaschgarage versteckt.
Eigentlich beängstigt mich ja nur, dass ich überhaupt weiss, wie die Dinger heissen. Ich kenne die Namen von jedem Autöli lange bevor wir den Film zum ersten Mal gesehen haben.
Früher, noch kinderlos, hat mich alles von diesem Auto genervt.
Heute ist die ganze Family infiziert!
Nächtelang suche ich im Internet genau diesen Mack. Vergeblich. Es gibt nur noch wertlose Chinakopien zu kaufen. Sehr teure Kopien nebenbei erwähnt.

Mein Mann gönnt sich ein Männerweekend im Tessin und hat unserem Sohn ebenfalls einen Batzen zugesteckt.
Er dürfe sich ein Spielzeug aussuchen. So finde ich mich vor fast einem Jahr im grossen amerikanischen Spielzeugladen wieder. Ich alleine mit meinen beiden Buben. Spreitenbach, einfach!
Ein Traumort. Denke ich!
Ich bin zum ersten Mal hier, seit ich Kinder habe. Rein ins Vergnügen, denke ich mir.

Der Plan ist klar.
Wir suchen den Autowaschgarage Mack.
Von dem ich aber bereits weiss, dass es ihn ziemlich sicher nicht mehr gibt.
Aber erkläre das mal einem 3.5-jährigen...
Eigentlich hätte ich ahnen müssen, dass es frustrierend wird. Warum fragt ihr euch jetzt bestimmt, oder?
Das Problem war aber nicht mein Sohn.
Nein, der hatte den Plausch.
Aber ich sehe Barbies, rosaglitzernde Duplosteine, streife kurz mit den Augen alle „Haba“ Mädchensachen. Ich sehe Puppenwagen, Puppenzubehör...und diese verdammten Haargummis.
Haargummis sind eine traurige Sache wenn du Söhne hast!
Ich bin verliebt.
All diese schönen Sachen!

Und wo lande ich? Spielzeugtechnisch die nächsten Jahre?

Ich muss mir alles anschauen. Alles bubenhafte. Es geht über sämtliche Lastwagen, Flieger, Autos zu Lego in den furchtbarsten Motiven. Dann sämtliche Baumaschinen. Farben sehe ich selten bis nie! Streife kurz den Spiderman und Star Wars Ecken. Furchtbare Sache, sau frustrierend! Das Zeug ist alles so potthässlich.
Echt..
Cars okay...aber bitte nicht Star Wars!
Ich verstehe es einfach nicht...

Mein Sohn schaut sich alles genau an und kann sich erstaunlich schnell entscheiden, und wir verlassen geschätzte Stunden später zufrieden den Laden.
Mack haben sie nicht dort.
War ja irgendwie auch klar..
Er kauft sich eine Motorsäge.
Genau!
Hallelujaa!!
Was für ein tolles Teil!
Das Cars Auto lag leider nicht im Budget.

Herzliche Grüsse,
Eve



Ajo...etwas hat mein Mami weggegeben. Etwas!
In einem jugendlichen Leichtsinn. Getrieben von einer Ebbe im Portemonnaie habe ich zugestimmt und meinen roten GoKart verkauft.
Eine scheiss Entscheidung. Wie sich heute herausstellt!  

Freitag, 20. Dezember 2013

Alles Käse, Frau M.!


Da kommt mein Mann letzthin von der Post heim.

Musste ein eingeschriebenes Paket abholen.

Als er geschätzte 45 Minuten später wieder da war, fragte er mich, wie ich das alles nur aushalte?! Diesen Verkaufsjob. Während dem Anstehen hatte er, der absolut friedliebende Mensch, bei jedem zweiten Kunden das Bedürfnis diesen windelweich zu hauen.

Ich musste auf den Stockzähnen grinsen.

Meine Antwort ist ziemlich einfach und simpel. Ich liebe die Menschen. Höre ihnen zu und bin freundlich. Gerne beobachte ich, und ich versuche, wenn ich etwas Tolles gesehen oder erlebt habe, dieses bei anderen mir auch fremden Menschen umzusetzen.

Ich muss aber auch ganz am Anfang von dieser Geschichte gerechtigkeitshalber eingestehen, dass auch ich manchmal nicht mit allen Menschen den Rank finde. Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder der im Verkauf arbeitet (und Verkauf ist so ziemlich viel) freundlich zu sein hat. Schafft er dieses nicht, sollte er den Job wechseln oder an solchen Tagen zu Hause bleiben. Darum bin ich nett und kundenorientiert. Wenn mir etwas unrechtes geschieht setzte ich mich für mich ein. Aber niemals, gar gar nie zettle ich in meinem Beruf Lämpe an. Nein!

Darum rate ich Frau M. von den Regionalbetrieben dringen diesen Post zu lesen. Sie ist nicht mehr die Jüngste, muss aber noch einige Tage bis zur Pension arbeiten. So wie sie ihre Arbeit aktuell tut, ist es unbefriedigend. Sicher nicht nur für ihre Kundschaft, sondern auch für sie selbst! Ich denke, in einem LKW ohne Kundschaft wäre sie besser aufgehoben. Wenn ihr jemand frech kommt soll sie sich wehren. Einfach grundlos unfreundlich zu sein ist dagegen einfach nur Scheisse!


Aber wo fange ich an.


Ich liebe Käse und Milch. Schon immer. Hier in meinem Dorf, wo ich aufgewachsen und noch immer zu Hause bin, hatten wir eine Käserei. Wenn ich die Augen zumache und an diesen Laden denke, läuft im inneren Auge ein kleiner Film ab. Ich erinnere mich an das Quietschen der Türe. Ich sehe vor mir die Theke. Ich weiss noch heute wie viel die Eier gekostet haben und wo die Süssigkeiten waren. Wenn die Schiebetüre zur Käserei geöffnet war, sah man den Käser mit seinen weissen Gummistiefeln und seiner Schürze. Zur richtigen Zeit im Laden konnte man den Bauern zukucken, wie sie die Milchkannen brachten. Ich weiss wie es klingt, wenn eine solche unter Vakuum geöffnet wird. Ich mag dieses Aroma dieser warmen Milch in diesem riesigen Käsereibecki wenn Käse gemacht wird.

Ich sehe die Verkäuferin, wie sie mit diesem grossen Spachtel fast auf das Gramm genau Käse absticht. Verdammt, ich erinnere mich an Vrenis Schuhe und wie sie mit dem einen Fuss das Türli vor der Milchkanne schliesst. Ich weiss noch alles. Haargenau.

Auch erinnere ich mich an diese Harmonie in diesem Lädeli. Irgendwie waren immer alle freundlich. Als Kind hat man dort nichts geschenkt bekommen wie zum Beispiel noch heute in vielen Metzgereien und doch sind wir immer gerne losmarschiert, wenn wir vom Mami den Auftrag bekommen haben Milch zu holen. Jede Schwester mit ihrem Milchkesseli am Arm.


Gerade das Erlebte in der Kindheit betrachte ich als prägend. Leider haben wir keine Käsi mehr im Dorf. Ich versuche trotzdem, dass meine Buben richtig viel Menschenkontakt haben. Im November war Markt im Nachbarsdorf. Meine Kinder fahren wahnsinnig gerne mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. An der Bushaltestelle fragt mich mein kleiner Sohn, ob er dieses Mal das Billett lösen dürfe. Natürlich darf er. Wir üben das Sprüchli. Zehn Mal, zwanzig Mal. Der Bus kommt  und er steigt vorne ein. Ich steige mit dem Kinderwagen hinten ein. Voller Stolz beobachte ich ihn. Er sagt Grüezi und dann sein Satz. Wie abgestumpft muss man sein, um beim Anblick eines 4 jährigen Menschen, dem man die Freude von 2 Kilometer weit ansieht, nicht ebensolche zu empfinden. Das ist doch der Grund, warum man/Frau Bus fährt und Personen befördert. Genau wegen solchen tollen Momenten.

Doch Frau Meier hinter dem Steuer sagt nicht Grüezi oder Hoi. Sie lächelt auch nicht, nein, sie plärrt ihn an: „Du hast 20 Rappen zu wenig.“

Mein Kind versteht nicht, was 20 Rappen zu wenig sind. Er kann freundlich sein und sein Sprüchli aufsagen. Für mehr Spontanität ist er noch zu klein!

So zerre ich mein Portemonnaie hervor und eile zu meinem Kind. Ich entschuldige mich und  zahle den fehlenden Betrag. Beim retour Laufen legt die gute Frau einen Kickstart hin, bei welchem selbst Michael Schuhmacher erblassen würde. Wir sind noch keine 5 Meter gefahren da kommt mir mein Kinderwagen entgegen. Ihr Fahrstil ist nicht „Kinderwagenbremsentauglich“.

Völlig entnervt stelle ich den Wagen auf und setze mich. Ignoriere den erneuten Schweissausbruch. Scheiss ÖV.. denke ich. Schon zum zweiten Mal in kürzester Zeit. Warum tue ich mir das an?


Kurz überlege ich mir zu Fuss nach Hause zu laufen. Doch nein, meine Buben wollen noch einmal Bus fahren. Da ich nun ja weiss was ein Busticket kostet, gebe ich meinem Sohn einen grossen Batzen. Meine ich...

Der Kleine steigt wieder vorne ein.

Lotto!

Wieder Frau M...

Wieder sein Sprüchli. Nur umgekehrt dieses Mal.

Wäre es nicht so tragisch, weil ich betrachte mich leider just in diesem Moment als Kundin der RBL, müsste ich laut lachen.

Sie plärrt in meine Richtung: „Er hat schon wieder zu wenig!!“ Ich bin ein bisschen irritiert: Aber er hat doch 5 Franken?! (Könnte ja sein, dass sie aufgeschlagen haben..) Sie: Nein er hat nur 2 Franken und dann...völlig entnervt zu mir: „JETZT SÖTTET SII DE ÖPPE WÖSSE WIEVEU SO ES TICKET KOSCHTET!!“


Okay, ich gebe es zu ich bin sprachlos.

Bin nicht einmal mehr in der Lage, mich für meinen Fehler zu entschuldigen.

Ich bin halt der Meinung, dass dieses Geschäft auch freundlicher hätte abgewickelt werden können.

Und prägender. Für meinen Sohn.

Positiv, meine ich!

Als wir alle sitzen, meine ich zu meinem Sohn: „Jesses ist diese Frau schlecht gelaunt.“ Darauf meint mein 4-jähriges Kind. „Jo gell.., ond scho de ganzi Tag!“


Schade Frau M. Sie haben es versemmelt. Schade....

Nicht mal ein gratis Würstli würden dieses Bild welches sie abgegeben haben wett machen!


Liebe Grüsse,

Eveline

Montag, 2. Dezember 2013

Bettruhe


Wie eine Süchtige durchwühle ich meinen Küchenschrank. Irgendwo müssen sie doch sein. Diese kleinen Erdnüsse mit knackiger Ummantelung. Ich finde sie nicht. Leicht panisch wechsle ich den Kasten. Dann wenigstens die Oreos.
Auch nicht da.
Verdammt...
Wer hat die nur gegessen?!

Ich brauche Nervenfutter.
Mein Mann ist krank.
Kommt selten vor, ist aber jedes Mal eine Tortour.
Er hat eine Körpertemperatur von geschätzten 36.5 Grad. Genau kann ich es euch nicht sagen. Er misst sie ja nicht.
Wenn ich Glück habe, überstehen wir die Nacht.

Punkt 15 Uhr ist er vorgefahren und hat meinen wunderschönen Alltag zur Sau gemacht. Elend schaut er aus. Wie er sich die Treppen herauf quält, das Arbeitsgewand durch seine uralte Trainerhose wechselt und sich schnellstmöglich ins Bett verkriecht.
Nur eine Stunde Ruhe ist sein Wunsch.
Noch so gerne ermögliche ich mir diese Stunde. Weiss ich doch genau, was noch auf mich zu kommt...

Letzten Winter war es schon so. Nicht wie jetzt Fieber, nein, damals war es ein Husten. Und was für ein Böser!
Wie immer hatten wir keine Medikamente im Haus. Laut meinem Mann haben wir nie Medikamente da, wenn er etwas braucht. Was so auch stimmt, ich nehme nämlich keine Medikamente...
Hilfsbereit wie ich bin, habe ich mich ins Auto gesetzt und bin kurz vor Ladenschluss in unsere Apotheke gedüst.
Ich habe mein Anliegen kommuniziert. So wie es ist.
„Liebe Frauen, mein Mann ist zu Hause er hat Husten und es steht ganz elend um ihn. Unmöglich ertrage ich ihn mehr als 24 Stunden zu Hause. Gebt mir bitte das Stärkste, was es gibt. Und bitte das Zweitstärkste auch noch gleich.“
Die Frauen nicken alle verständnisvoll...
5 Minuten später habe ich dem Patienten zu Hause alles aufgetischt.
Und was macht ein Mann in einem solch kritischen Moment. Waseliwas?
Genau!
Er liest den Beipackzettel.
Auch so ein Unterschied zu uns Frauen. Sollten wir am Sterben sein, pfeifen wir uns alles rein...wenn jemand sagt, dass es nützt!
Dann lesen wir nicht mehr. Dann vertrauen wir!
Irgendeine Nebenwirkung macht meinem Mann Sorge. Noch mehr Angst als vor diesem schlimmen Husten, und er entscheidet kurzerhand, dass es auch ohne Medikamente geht.
Arghh.. meine Nerven!

Heute war ich klipp und klar.
„Los Ro“, habe ich gesagt. Es hat was es hat. Ist so ziemlich das Gleiche wie das letzte Mal. Bedien dich. Ich mach dir auch noch einen Tee. Mehr gibt es nicht.

So, ich habe etwas gefunden. Eine Dose mit Alkohol. Die habe ich mir doch wirklich verdient. An einem Tag wie diesem. Wo zwei kleine Buben richtig krank sind. Und sich ein grosser zum Affen macht.

Herzliche Grüsse und viel Kraft allen Frauen "da Draussen",
Eve

Dienstag, 26. November 2013

Der lange Weg zu den Sommervögel


Fahrt ihr mit öffentlichen Verkehrsmitteln?
Ich nicht, oder nur ganz selten.
Auch wenn es bei meinem Fahrstil sicher geeigneter wäre.
Warum nicht mehr, fragt ihr euch jetzt sicherlich.
Die Antwort ist einfach. Ich vertrage es nicht.

Muss mir glaubs für die weiteren Reisen ein kleines Schlagwerkzeug besorgen.
Ich möchte immer Menschen ab-, wenn nicht beinahe zu Tode schlagen.
Oft bin ich auf solchen Reisen immer sehr deutlich die Tochter von meinem Vater...

Ist doch wahr. Unglaubliche Menschen befördern und betreuen uns in diesen Bussen und Zügen.
Gerade in letzter Zeit habe ich es erneut ausprobiert. Dieses komfortable Reisen. Dieses Nichtstun...

War mit der Familie mit dem Zug unterwegs. Auf den Weg zu den Sommervögeln. Wir mussten 3 Mal umsteigen. Grässlich. Hatte den Kinderwagen dabei. Unmögliche Sache. Zuerst holst du dir einen Bruch um überhaupt in den Zug zu kommen. Dann bist du endlich in ihm, kommst aber nicht weiter. Meine Mutter hatte Erste Klasse bezahlt. Vor diesen Wagen hat es nicht einmal so ein „Drogenabteil“ Ihr kennt es. Oder? Dieses Abteil mit den Graffitis, den zerkratzten Scheiben, dem Sperma an der Wand und dem aufklappbaren Rollstuhlsitz. Nur dass ein Rollstuhlfahrer unmöglich alleine hoch kommt. Alleine diese kleine aber fiese Rampe ist ja unmöglich. Und helfen tut ja in der heutigen Zeit auch niemand mehr. Die stürmen ja alle schon in den Zug, bevor überhaupt alle ausgestiegen sind.
Nur noch geiler als diese Bernzüge sind die, welche in Richtung Zürich fahren. Einmal dort drinnen geht es nur hoch oder runter. Kinderwagenbesitzer oder wieder die gehbehinderten Menschen treffen sich somit auf der klebrigen untersten Stufe, wo sich komischerweise tolle Gespräche ergeben.

Also da stehe ich also dank der Hilfe von meiner Schwester mit zwei Kinderwagen in diesem Erst Klasse Vorwagen. Ein minimaler Raum und ein Scheisshaus hat es dort. Platz um einen Kinderwagen zu deponieren nicht. Der Kinderwagen ist jedoch bepackt mit allem, was wir so an einem Tag brauchen. Ich kann unmöglich alles entladen. Für die kurze Fahrtzeit. Auch habe ich an meinem „Wägeli“ nach 4 Jahren in meinem Besitz immer noch Freude. Ich möchte nicht, dass er gestohlen oder kaputt gemacht wird. Also schleicke ich mich mit dem Wagen zum ersten freien 4er Abteil. Unsere Kinder sind friedlich, alle lächeln uns nett an.
Bis der Kontrolleur kommt.
Wuii. Da ist der Spass zu Ende.
Das gehe so aber gar nicht, meint er. Bevor er uns begrüsst oder unsere Billette kontrolliert.
Ich müsse den Kinderwagen vorne deponieren.
Ich bin von null auf hundert.
Da fährst du Erste Klasse und wirst immer noch wie der letzte Abschaum behandelt.
Mein Puls vom Stress beim Einsteigen hat sich soeben beruhigt und die Schweissflecken den Rücken herab sind am trocknen. Mein mitgebrachtes Gipfeli schmeckt ausgezeichnet. Ich wollte das Nichtstun geniessen. Ich freue mich auf die Sommervögeli.
Leicht angepisst aber noch beherrscht frage ich: Wo vorne?
Er: Dort vorne...
Ich: Ich bin aber dort hinten eingestiegen.
Ja das sei mein Problem, meint er. Hinten hätte es extra Platz für Kinderwagen (und sicher auch für Rollstühle, Skier, Koffer und und und...)
Ich versuche dem unfreundlichen Mann klar zu machen, dass ich unmöglich wissen könne, wo ich einsteigen müsse. Ich hätte halt eine 1 gesehen und peng war ich drinnen. Oft steige ich ein und laufe nicht den ganzen Zug nach geeigneten Einsteigemöglichkeiten ab. Auch sei ich jetzt hier und ich mache niemandem Ärger, störe nicht und somit bleibe mein Wagen auch hier.
Basta.
Er wollte es nicht recht verstehen, liess mich aber sitzen.
Eigentlich hätten wir, nachdem ich seinen Nachnamen verlangt habe und er Nullkommanichts freundlich wurde auch noch beinahe den „Rank“ gefunden. Wir waren sozusagen schon fast beste Freunde. Er hat mir angeboten beim Aussteigen zu helfen etc. Als sich seine Kollegin zu ihm gesellte und uns in Hochdeutsch noch einmal „zusammenpfiff“ war für mich die SBB Sache für lange wieder geklärt.
Meine Schwester hat mir dann geholfen beim Aussteigen.

Lieber fahre ich Auto. Grottenschlecht. Ein anderes Thema. Aber irgendwie sind dort immer alle nett zu mir. Und Platz hat er auch. Der Kinderwagen!!


P.S: Hinten war gleich wie vorne. Ich habe es mir angeschaut. Blöder Affe...

Und noch was, das war jetzt die Zuggeschichte. Die Busstory kommt demnächst!

Allzeit gute Fahrt,
Eve


...War's dann wenigstens schön im Pappilliorama? Fragt mein Lektor! Ja traumhaft schön und ziemlich gut erreichbar mit dem Zug ;o)




Mittwoch, 23. Oktober 2013

Affentheater


Ich schreibe heute von Affen und Schwänzen. Ich versuche einen Vergleich zu starten. Ich habe diese Geschichte immer und immer wieder gelesen. Nun ist sie bei meinem Lektor. Ich hoffe ich wirke nicht zu bieder. Denn das bin ich absolut nicht. Ich liebe mein Leben und bin sehr dankbar wie ich alles bis jetzt erleben durfte. Manchmal befürchte ich nur, dass das heute so gar nicht mehr möglich wäre.
Dann bedaure ich die heutigen Jugendlichen.
Doch lest selber...

In meiner Jugend waren Musikvideos hoch im Kurs. Zu jedem neuen Song gab es es ein Filmchen welches wir auf MTV anschauten und beurteilten.

So bin ich am letzten Samstag mit dem Auto von meinem Mann unterwegs und höre für einmal nicht meine Musik sondern Radio. Eigentlich höre ich schon seid Jahren kein Radio mehr. Mich nerven 99% von allen Moderatoren und ich mag auch die Musik nur ganz selten. Aber zurück zum Auto von meinem Mann. Ich habe vergessen meinen 8 GB Ipod, gespickt mit feinster Eve Musik mit zu nehmen. Seine Auto Musik mag ich nicht. Eigentlich hat er einen exzellenten Musikgeschmack aber im Auto hört er nur so bumm bumm Scheisse. Und so höre ich halt Radio. Dann kommt doch tatsächlich ein mir bekanntes Lied. Begeistert drehe ich am Rädchen und stelle lauter.
Sofort kommt mir das dazugehörige Video in den Sinn. Ich sehe verkleidete Affen die Strassen herunter tanzen.
Eine Hundertstelsekunde überlege ich mir ob ich dieses Lied vor Jahren auch so gemocht habe oder ob ich heute einfach ausflippe weil es aus meiner „Jugend“ ist!
Scheissegal. Heute mag ich es.
Ich singe lauthals mit...

Musikvideos damals waren kult. Hatten ein Thema und manchmal sogar einen Sinn.
Ich kann mir kaum vorstellen dass es heute noch um Affen geht.
Also um Echte...

Machen das die heutigen Jugendlichen auch noch? Kucken die noch Musikvideos? Gibt es heute überhaupt noch Musikvideos? Also ich meine nicht diese Softpornos wo irgendwelche Kinderstars andauernd die Zunge raus halten und in irgendwelchen Posen es mit 3 anderen gleich billig aussehenden Menschlein treiben. Auch komisch finde ich dass es ja im Song oft rein gar nicht um das gezeigte im Video geht. Hauptsächlich geht es um Sex. Während die Sänger von etwas ganz anderem singen. Ich frage mich auch ob es MTV überhaupt noch gibt? Weil wenn ich von einem Musikvideo erfahre dann nur wenn es in 20 Minuten wegen seiner Peindlichkeiten erwähnt wird.
Ich habe geschätzte 1000 Fernsehsender aber Musik sehe ich nirgends wo.

Wir leben in einer komischen Welt.

Ebenfalls ein Thema in meiner Jugend war HIV und AIDS. Wir waren top informiert und aufgeklärt. Ich war 11 Jahre alt als Freddy Mercury starb. Ab diesem Augenblick wusste jedes Kind was HIV war.  
Es war beängstigen und jeder versuchte sich zu schützen.
Die letzten Jahre hat diese Angst etwas abgenommen. Ich beobachte diese Lässigkeit mit Sorge.
Da fahr ich letzthin mit dem Zug nach Hause und sehe ein HIV- Stop Aids Plakat. Mein Rüssel hat Schnupfen. Steht dort. Ich frage mich ob das lustig ist. Oder erschreckend? Oder was. Ich studiere und frage mich was die Organisation damit erreichen will. Schnallen die heutigen Jugendlichen diese so wichtige Aussage. In einem Zeitalter wo in einem Musikvideos, öffentlich zugänglich für alle, im Internet und auf jedem Mobiltelefon das normalste der Welt pornografisch dargestellt wird. Sex wird verkauft. Sex ist ein Geschäft. Jeder der es im Schlafzimmer ganz normal mit seinem Partner macht wirkt wie ein langweiliger Spiesser.

Ich will nicht hören dass der Rüssel von meinem Gegenüber Schnupfen hat. Ich will wissen mit wem ich mich einlasse. Ich will hören wenn jemand krank ist. Verdammt ich schütze meine Buben besser vor einem Husten als die sich vor HIV. Ein Schwanz kann nun mal keinen Schnupfen haben. Also nennen wir die Sache beim Namen.
Hören mit diesem Rudelbumsen unter zwanzig auf.
Sagen wir unseren Kinder dass es das nicht braucht um irgendwen zu sein.
Zeigen wir ihnen auf dass es nicht alle so machen.
Erklären wir ihnen dass sie einzigartig sind.
Dass sie auf sich acht geben müssen.
Mädchen wie Buben.
Und schützen wir uns vor HIV.
Denn auch wenn AIDS heute als nicht mehr tödlich gilt und die Panikmache vor AIDS als schädlich für die HIV Prävention angeschaut wird, bin ich immer noch der Meinung dass ein Leben ohne HIV angenehmer ist als mit.

...und bitte ihr Videoproduzenten...lasst wieder Affen tanzen..!

Herzliche Grüsse,
Eve


Mittwoch, 9. Oktober 2013

"Schlof emol!"


Heute ist Mittwoch!

Boaeh. Ich habe es versucht. Glaubt mir. Wirklich. Aber es geht nicht. Ich gebe auf und betrachte das Experiment als gescheitert.
Ich finde ja eh, dass es extrem überbewertet wird.
Dieses Schlafen.
So etwas sinnloses.
Unnütz.
Und ganz bestimmt auch nicht gesund.
Ihr denkt, jetzt habe ich eins an der Waffel?
Okay, ich versuche mich in Erklären.

Diesen Sonntag habe ich mir vorgenommen, dass mir etwas mehr Schlaf bestimmt nicht schaden könnte. Ich laufe an diesem Samstag einen Halbmarathon und mir sind auf der Arbeit in letzter Zeit Fehler passiert (über die berichte ich noch), die mir in meiner ganzen Kariere noch nie widerfahren sind. Dann habe ich auch noch eine wichtige Sitzung vergessen, weil ich sie in der Agenda nicht eingetragen habe. Leise Selbstzweifel haben mich befallen, und ich habe mich ein bisschen ab mir gefragt. Nett ausgedrückt.
Ich mache keine solchen Fehler und verpasse sicher keine Meetings, wo es etwas zu futtern gibt. Auch wenn es nur Häppchen sind. Never! Ich liebe Apéros!

Klar, ich kann dieses unübliche Verhalten auf den vierten Geburtstag von meinem Sohn schieben. In diesen Geburtswoche von meinen Söhnen bin ich eh immer ein bisschen emotional doof! Ich hoffe, dass ich dies bis zur Volljährigkeit in den Griff bekomme.
Dann haben wir in der Familie sehr viel Glück gehabt. Dachte doch, ein Herz es müsse kurz rumzicken! Ich bin sehr dankbar, funktioniert es nun wieder, und wir müssen nicht schon wieder auf ein Familienmitglied verzichten.
Auch das hat mich emotional doch mehr hingenommen als ich es zugegeben habe.
Ich bedanke mich bei der Rega, habt ihr gut gemacht!

Also. Eine emotionale Woche in den Knochen. Geplagt von Selbstzweifeln und diese 21.9 Kilometer vor dem geistigen Auge habe ich am Sonntagabend nach dem Tatort, (jawohl ich oute mich, ich liebe den Tatort!), etwas vor 22 Uhr zusammen mit meinem Mann das Stockwerk gewechselt.
Da lag ich nun. Hellwach. Nicht müde.
Ich habe dem Beamer-Uhrzeiger an meiner Wand zugeschaut wie die Minuten verstrichen. Irgendwann etwas vor 23 Uhr hat es mich dann genommen.
Um 01.30 hatte der kleine Mann Hunger.
Irgendwie war ich nach diesem Boxenstopp erneut hellwach.
Ich überlegte kurz, ob ich echt die Toiletten putzen sollte...
Um 6 Uhr ein erneuter Schoppen.
Dann um 6 Uhr 15 geht der Wecker vom Partner.
Soll ich nun duschen gehen...?!
Endlich um 8 Uhr stehen beide Buben auf.
Völlig geschafft quäle ich mich aus meinem sonst so bequemen Hüsler-Näscht.
Ich schwöre euch, ich habe Druckstellen!
Vom Liegen!

In der Nacht vom Montag auf Dienstag bin ich gleich konsequent.
Gestern verlängere ich auf 23 Uhr.

Mir geht es elend.
Mir fehlt etwas.
Mir fehlt die Zeit.
Meine Zeit.

In dieser Zeit von 22 Uhr tanke ich Kraft. Kraft für den nächsten Tag. In diesen Stunden bin ich nur ich. Kein Lärmpegel, keine Fragen, keine Antworten, keine Sorgen, keine Pflichten.

Vielleicht muss ich mir eingestehen, dass auch ich auf der Arbeit „Böcke“ schiesse. Das jedem mal ein Fehler passiert, man auch mal ein Meeting vergessen kann und ein Halbmarathon exakt gleich weh tut, ob man nun 8 Stunden oder wie ich es mag nur 5 Stunden geschlafen hat in der Nacht.

Ich habe es ausprobiert. Mehr schlafen liegt mir nicht.

Herzlich eure,
Eve