Dienstag, 29. Juli 2014

Scheiss Wetter, na und?!

Menschen, die meinen Blog schon länger lesen, wissen von meiner Einstellung zum Wetter. Ich hasse es mit Menschen über das Wetter zu reden. Ich bin der Meinung, wenn man nur noch über das Wetter reden kann ist die Freundschaft am Ende!
Über das Wetter zu reden ist sinnlos.
Ich kann es nicht ändern. Also was soll es...

In dieser neuen Geschichte geht es trotzdem über das Wetter.
Wenn ich es nicht aufschreibe „verjagt‘s mii“.

Also, für einmal eine Wettergeschichte. Von mir...

Ja! In der Tat. Der Hochsommer 2014 haben wir uns wohl alle etwas weniger nass vorgestellt.
Doch während in einigen Teilen der Schweiz aktuell die Welt untergeht, sitzen andere zu Hause im Trockenen an ihren Rechner und jammern.
Sie tun das nicht ein, zwei Mal. Nein! Sie tun das non stopp.

Dieser Beitrag geht an alle Mütter von noch nicht schulpflichtigen Kindern. Mamis, die alles haben und trotzdem unzufrieden sind.
Denen es so langweilig ist, dass sie mir und allen anderen auf den Senkel gehen.
Und das so richtig.

Aber ich fange etwas weiter vorne an, sodass auch jeder versteht was und wen ich meine.

Ich habe Freunde, die arbeiten 100 Prozent. Das sind die Menschen, welche am Morgen aufstehen, zur Arbeit gehen und am Abend nach Hause kommen. Dazwischen machen sie den Haushalt, kaufen ein und pflegen Kontakte. Es kann sehr gut sein, dass es regnet. Sogar wenn Sie frei haben. Komischerweise ist denen nie langweilig. Sie kennen das gar nicht!

Dann gibt es Frauen, die haben grosse Kinder. Diese sind während den Sommerferien 4 bis 9 Wochen zu Hause. Wenn diese Frau Glück hat, dann sind davon noch 1 bis 3 Wochen der Ehemann zu Hause. Lotto..! Wenn es nun aber zwei Drittel dieser Zeit regnet, wie es aktuell der Fall ist, verstehe ich, dass diese Zeit sehr lange ist. Die Kinder in dieser Zeit bei der Laune zu halten und ihnen nicht jeden Tag ein volles Animations Angebot anzubieten. Die Kraft zu haben diese Launen zu ertragen. Ja, das ist bestimmt schwierig. Ich kann mir sogar vorstellen, dass Frau den Schulanfang wieder herbeisehnt. Ich kann mir noch besser vorstellen, dass jede dieser Frauen ein starkes Bedürfnis hat, ihren Mann in diesen zwei Wochen Tagtäglich abzuschlagen. 
Glaube ich, ja…

Sodeli. Dann kommen wir zur Gattung Mutter, die in der gleichen Lebensphase stecken wie ich. Oft haben sie sogar noch kleinere Kinder. Unser Tag verfügt über 24 Stunden. Plus Minus können wir diese gestalten wie wir möchten. Wir müssen zu keiner bestimmten Zeit aus dem Haus. Sind essenstechnisch absolut frei. Haben vor der Haustüre ein Auto stehen und haben die finanziellen Freiheiten alles zu tun. Wir gehen einem Teilzeitpensum einer Arbeit nach. Unsere Kinder und wir selber sind gesund. Wir haben keinerlei ernsthafte Sorgen und mit diesen hauseigenen Kindern haben wir uns einen Traum erfüllt. Oft besitzen wir Haus oder Wohneigentum. Haben auf Hochglanz gestaltete Profiküchen. In dieser Küche findet sich sämtliches aktuelles Betty Bossy Küchenzubehör. Von Tupperware besitzen wir jede Schüssel. Und im Keller befinden sich mit „Gonis“ zubepackte Bastelräume. Diese Frauen haben alles. Und benützen nichts...

Nein, ihnen ist langweilig!

Sorry, aber was liegt 2014 in der Luft? Auf Internetplattformen lese ich von Mamis, die sich beschweren, die Fragen stellen die so saudoof sind, dass sie nicht einmal gedacht werden dürften. Ein Mami schreibt, sie habe zwei Kinder, 2,5 Jahre und 5 Monate alt, sie wisse nicht was zu machen bei diesem Wetter. Sie hätte bereits sämtliche in der Nähe liegenden Indoorspielplätze und Einkaufscentren besucht und nun falle ihr die Decke auf den Kopf. Vor dem Fernseher werde nur gestritten und die Computer Tablets seien auch bereits langweilig.

Ja Sterneföifi!!

Dieser 5-monatige Balg wird ja kaum merken, dass es pisst. Warum legt sie sich nicht spontan ein wenig zu ihm und beschnuppert und bestaunt ihn?! Warum macht sie nicht einfach das was sie sonst so tut? Haben diese Frauen keinen Haushalt zu pflegen? Wer macht ihnen die Wäsche. Wer kauft ein? Wer betreut die Kinder?

Ich glaube viele meiner Freunde, Berufstätige oder sogar alleinerziehende Elternteile wären froh, wenn sie sich einfach so, an einem stinknormalen Tag, ein wenig aufs Sofa knallen könnten um das herrliche Nichtstun zu geniessen.

Ich von meiner Seite aus kann sagen, mir ist nie langweilig. Verdammt!
Auch ich besitze das ganze Betty Bossi, Tupperware und Gonis Equiment.
Ich habe eine Kenwood, einen Plotter, einen wunderbaren grossen Mac, abertausend dieser neumödigen Loombändeli, eine tolle Kamera, ein grosses Sortiment an Backzubehör, meterweise Stoff, Papier, Glitzerstifte. Trotz den Einwänden von meinem Mann habe ich sogar ein Laminiergerät. Ich habe ein meist vollgetanktes Auto vor der Haustüre und die Kreditkarte von meinem Mann mit genügend Kreditlimite am Arsch. Ich bin gesund und meine Jungs meistens auch.
Ich brauche diese Sachen tagtäglich. Zusammen mit meinen Kinder. Wenn ich sie nicht brauche mache ich etwas anderes. Ich habe einen wunderbaren Freundeskreis. Uns ist nie langweilig. Diese Phase wo die Kinder so klein sind. Ich noch keine Verpflichtungen wie Schule etc. habe. Ich niemandem Rechenschaft ablegen muss und es einzig pünktlich zu meinem Arbeitgeber schaffen muss, diese Zeit betrachte ich als wunderbar. Als grosses Geschenk. Ich bin jeden Tag dankbar, dass ich sie so bewusst erleben darf. Nicht alle haben diese Möglichkeit...

Bitte erinnert euch an das, was ihr besitzt und habt. Nicht immer das was euch fehlt oder abgeht.
Wenn ihr Menschen in eurem Umfeld habt die jammern, dann erinnert ihr sie daran. So gibt es Grüppchen, die dieser Stimmung trotzen. Die zB diesen Sommer 2014 so nehmen wie er ist und das Beste daraus machen. Ich kann nicht für euch sprechen, aber für mich, meine Familie und meine Freunde war dieser Sommer, egal wie das Wetter nun war, der beste Sommer seit langem...

Und solltet ihr Menschen kennen, denen es noch immer langweilig ist. Erinnert sie an die Menschen im Ämmital oder in der Ostschweiz. Es gibt bestimmt noch Plätze wo Ehrenamtliche gesucht werden.

Kuss Kuss,
Eve




Donnerstag, 10. Juli 2014

Tick

Himmelherrgottsakrament...

Sagte „amigs“ mein Grossvater, im Ostschweizer Dialekt gesprochen, sehr aussagekräftig!
Ich bin ja wirklich tolerant.
Aber irgendwie muss auch ich nicht alles verstehen, oder?!

Ich habe nämlich für Menschen mit so ziemlich allen Ticks, Marotten, Angewohnheiten, Zwänge und Mödeli Verständnis.
Eigentlich amüsieren sie mich sogar. Es fasziniert mich schon viele Jahre, Menschen mit ihren Angewohnheiten zu beobachten und diese zu registrieren.
Ich liebe das.
Betrachte es als Hobby!
Lerne immer wieder neue und noch speziellere Angewohnheiten kennen.

Nicht nur ich habe einen Schaden!
Nein, nein, nein, andere auch.

Wuff...

Wenn ich mit Vorliebe den Schnudder hochrotze, einen Fototick habe und nur Biomilch kaufe.Ich Farbstifte immer gespitzt haben will. Meine Wäsche gerne bügle und auf Toiletten auswärts konsequent nur in die rechte Abteilungen pisse. Meine Brille mit dem rechten Zeigefinger unnötig oft hochschiebe und non stopp quatschen kann, muss bei meiner Freundin die Lautstärke im Musik Player immer gerade sein und die CDs müssen mit der Schrift korrekt ausgerichtet verräumt sein.
Ich kenne Männer, die möchten zum Zmittag jeweils eine Kanne lauwarmen Tee mit Zucker bereitgestellt haben. Und wehe, die Temperatur stimmt nicht. Mein Mann (ha, geil!) steckt gelesene Briefe den hohen Weg retour ins Couvert (eine Angewohnheit die mich übrigens saumässig nervt...)
Meine Mutter kann nichts wegschmeissen und legt sogar die Cumulus Abrechnung ab. Das kommt mir wieder zugute, wenn ich eine Quittung von 1993 suche. Meine Mutter hat sie. Mit einem Griff!!
Einfach dass es erwähnt ist. Ich verliere sie nun...
Ich sehe die bekannten null acht fünfzehn Nägelkauer. Sie kommen in jedem Bildungsstatus und Alter vor. Ich kenne auch die Nägelhäutchenkätscher. Es gibt Knochentätscher und Knochenzieher. Manche können das sogar mit dem Nacken. Respekt!
Ich habe Verständnis für die Mundwandinnenhautfresser. Manchmal tun sie es stressbedingt, manchmal einfach so zum Zeitvertrieb. Sie tun es bis es weh tut. Aber dann ist es gut!
Unser Vater hat salzige Erdnüsschen geliebt. Gegessen hat er aber nur die Ganzen. Mein Sohn kann nur mit seinem Dimpel schlafen. Es ist ein Hase, welcher er zur Geburt bekommen hat. Seine Ohren sind vom Rumzwirbel schon ganz kaputt und haben Löcher! Manchmal unter dem Tag reicht es auch nur kurz an dem Viech zu riechen. Der beste Duft, wie er meint...

Natürlich habe ich auch noch rumgefragt. So auch auf meiner Chlämmerlisack Facebookseite (https://www.facebook.com/Chlammerlisack) Dort berichtetet man mir auch von lustigen Ticks. Ich lerne jeden Tag neue kennen.
So weiss ich nun von Menschen, welche immer zwei M+M`s auf einmal in den Mund stecken. Bei den einen müssen es zwei Gleichfarbige sein, bei den anderen ja nicht. Ich kenne neu den mir absolut unverständlichen Zwang, den Geschirrspühler von hinten nach vorne zu befüllen. Anscheinend gehört auch meine Mutter zu dieser Spezies. Ich wusste nichts davon. Schmeisse ich doch ohne Plan alles hinein.
Dann gibt es scheinbar Menschen, die haben immer ihre Sonnenbrille dabei. Ob nun die Sonne scheint oder nicht. Und es gibt Frauen, die nach dem Zähneputzen zwingen Lippenpomade brauchen. Ganz geil finde ich auch die Angewohnheit den Wecker auf :01Uhr zustellen. Wie wenn es diese Minute ausmachen würde.



Ich verstehe sogar Menschen, welche wegen einer Erkrankung den Kopf dreimal oder mehr an die Wand schlagen müssen, bevor sie das Haus verlassen können. Non stopp die Hände waschen
oder sich die Haare ausreissen. Auf dem Zebrastreifen nur auf die gelben Markierungen auftreten oder in einem Tourette Anfall wüste politische Parolen schreien. In der Metzgerei! Verdammt, das soll vorkommen. Diese Menschen sind krank.

ABER..

Ich habe null Verständnis für Frauen die nicht einparken können.

Nicht für die, welche es einfach nicht können und ein paarmal üben.
Ich spreche von denen, welche es sich bewusst sind. Und es trotzdem tun!
Sie wissen, dieses Parken wird ein unmögliches Unterfangen. Und sie wagen sich trotzdem Woche für Woche in ein öffentliches Parkhaus.
Sie fahren ein Auto welches sie nur fahren können. Punkt. Nichts anderes. Dieses Auto muss nicht einmal unnötig gross sein. Ich will hier keine SUV oder Minivan Diskussion anheizen.
Nein!
Sie kann es einfach nicht.

Was tut eine solche Frau?
In der Not?
Genau!
Sie hat EINEN Lieblingsplatz.

Im Migros Buchs. Im Aargau. Befinden sich diese im Zweiten Obergeschoss. Zweite Abbiegung Rechts, gerade aus. Dort wo dieses kleine Fruchtlaschtwägeli geparkt ist.
Vielleicht würden sie ja auch gerne einen dieser breiten Familienparkplätze benutzen. Wer weiss es genau. Leider werden diese konsequenterweise von Menschen rund um das Rentenalter benutzt. Selten steigen aus dem Auto mehr als zwei Menschen aus und nie sehe ich einen Kinderwagen/Maxi Cosi. Aber das ist ein anderes Thema und würde den heutigen Rahmen sprengen.

Laut Internet verfügt das Wynencenter Buchs über 914 Gratisparkplätze! Ich kaufe am Donnerstag ein. Spätestens um 9 Uhr bin ich dort. Ich schätze zu diesem Zeitpunkt sind locker 600 Plätze noch frei. Wenn nicht mehr.
Doch Mutti XY hat Pech. Ihr Platz im zweiten OG ist bereits besetzt.
Nun geht sie nicht einfach auf einen der vielen freien Plätze.
Nein.
Sie wartet.
Dies tut sie auf Höhe der Einkauswägeli. Nicht rechts parkt sie. Nein das wäre ja noch elegant. Nein, sie Parkt in der Mitte von der Strasse direkt vor ihrem Parkfeld.
Und wartet.
Lange.
Halt so lange wie dieser fiese Parkplatzbesetzer so einkaufen mag.

Das Auto hinter ihr ist etwas verunsichert. Ich vermute, es ist ein Rentner, welcher keinen Familienparkplatz ergattern konnte. Aber er hat ja Zeit. Hinter diesem Auto ein ebenfalls geduldiger Kleinwagen. Danach kommt eine Mutter, welche irgendwann wieder zu Hause sein muss. Diese hupt erstmals ein weneli agressiv und versucht dann, die ganze Kolonne links zu überholen. Der Platz ist eng und das Hupen hat den Rentner erschreckt oder aufgeweckt und dieser will nun ebenfalls die Mutti XY überholen. Das wiederum führt zu einer beinahe Karambolage.
Dann komme ich. Weisser T5. Ich sitze hoch oben. Während ich mich an ihr vorbeiquetsche, schaue ich sie vorwurfsvoll an und verwerfe den Kopf. Auf gleicher Höhe wo sie wartet ist links einer frei geworden. Ich parke dort. Der Rückstau geht nun bereits bis zum Parkhausausgang. Während ich mein Kind abschnalle lässt sie das Fenster runter und fragt mich was mein Problem sei?
Ich frage sie: Mein Problem?!
Sie: Ja! Und ob ich denn keine Zeit habe...?
Ich sagte ihr dann, dass ich es einfach furchtbar schade finde, dass nur weil sie nicht parken könne jetzt im gesamten Wynencenterparkaus niemand mehr parken dürfe!
Darauf meinte sie, sie könne halt mit diesem Wagen nur ganz schlecht parken...
Darauf hin hat sich dann prompt mein schlechtes Gewissen angemeldet. Huch, dachte ich mir, ist diese Frau echt gehbehindert oder so?! Aber nein. Kurz darauf verabschiedete sich die Frau mit: Es sei ja unmöglich, wie schlecht ich bereits am morgen früh gelaunt sei. So etwas möchte sie nicht sehen und parkte in ihrem endlich freigeworden Parkfeld.
Hallelujah!

Sie hat übrigens keine sichtliche Behinderung. Sie hat einfach einen unmöglichen Tick und sehr hohe Schuhe an. Sie ist sich dessen bewusst und nicht bereit etwas daran zu ändern. Schade!

Soll noch jemals einer was gegen mein Hochrotzen sagen. Ich bin voll normal.

Ich hol mir jetzt mal ein Taschentuch,
Adee
Eve


Samstag, 7. Juni 2014

Shout!

Diese Geschichte ist schon lange in meinem Kopf.
Gedanklich habe ich sie schon zig mal erzählt.
Ich denke heute ist der ideale Moment sie euch zu erzählen.
Wenn nicht heute, wann dann?!

Viele denken dass der Anfang ein kleines blaues Auto mit Unterbodenbeleuchtung war.
Ein VW G60.
Das ist so nicht ganz richtig..

Es war dieser Sommerbeginn.
1998.
Ich war gerade Volljährig geworden. Unbegrenzt viele Möglichkeiten standen vor mir.
Abgesehen von meinem scheiss Ausbildungsplatz, lief  gerade alles hervorragend.
Dann stirbt ein ehemaliger Schulkollege.
Unerwartet und rasch.
An Krebs.
Und viele Jugendliche aus einer gesamten Kreisschule sind zum ersten Mal mit dem Tod konfrontiert.
So auch ich.
Nach einer sehr emotionalen Beerdigung treffen sich viele Jugendliche aus meinem Dorf im Wald.
Alle Cliquen vermischen sich. Die Grossen von der Linde geben sich mit uns, aus dem Bürgi, ab. Bei reichlich Alkohol wird über den Sinn und Unsinn vom Leben diskutiert.
Ich erinnere mich noch heute an jedes Wort das Ro erzählt hat. Wie er so da sitzt. Dünn, furchtbar dünn, an einer Zigarette ziehend.
Ich bin im gleichen Quartier aufgewachsen. Mit diesem furchtbar dünnen Menschen. Sein Bruder ging mit mir in die Schule. Ich kenne die Familie.
Ich finde ihn..unscheinbar.
Mir gefällt sein kleines blaues Auto.
Mehr nicht.
Während er also so redet fällt mir auf dass es sein könnte dass ich ihn gar nicht kenne.
Mit voller Wucht fällt es mir auf.
Der ist gar nicht langweilig. Der ist interessant.

Sechzehn Jahre später.
2014.
Seid diesem Tag hat mich Ro zu keinem Zeitpunkt gelangweilt.
Was er erzählt macht Sinn.
Ich habe gemerkt dass er meine ideale Ergänzung ist.
Dieses ruhige, besonnene und überlegende.
Alles Sachen die an mir abgegangen sind.
Vieles was ich erreicht habe darf ich auch Ro verdanken.
Seine grandiose Unterstützung, sein gut reden, seine Positive und sehr grosszügige Art ist ein grosses Geschenk.
An einem Mann..

Aber diese Geschichte wäre kitschig und nicht ganz so erfolgreich wenn es nicht auch eine Andere Seite gäbe.
Dieser Mann ist auch stur. Bockig und kann mich wahnsinnig machen.
Es gab mehrere Momente wo ich ihn am liebsten erschlagen hätte.
Wenn er etwas im Kopf hat bringt man eine andere Meinung (meine!) fast nicht rein.

Wenn er etwas gut findet wird das subito gemacht. Ist er anderer Meinung oder sich (noch) nicht sicher kann es länger dauern oder wird grosszügig ignoriert.
Dann kann ich mich auf den Kopf stellen, einen Tobsuchtsanfall bekommen oder auch wunderbar drohen.
Da nützt rein gar nichts.

Ich musste lernen dass ich zwar die Hosen trage aber ganz oft doch nichts zu melden habe.
In meinen Hosen..

Ein Grosses Thema war bei uns stets das Heiraten.
Wenn mich Menschen fragen warum ich nicht verheiratet bin sage ich oft wir hätten den Zeitpunkt ein bisschen verpasst.
Auch das stimmt so nicht ganz.
Wir zwei haben einfach ganz verschiedene Erwartungen an diesen Tag.
Kurz gesagt.
Ro hat keine!

Ich.
Naja..

Er möchte mit gemieteten (!!) Trauzeugen ins Standesamt und 10 Minuten später als verheirateter Mann wieder raus.
Kein Tamtam.
Und um Himmels Willen bloss keine Spiele!

Ich habe als junges Mädchen Samstag für Samstag vor unserer Dorfkirche verbracht.
Habe zig Hochzeiten gesehen und mit meiner Schwester ein „Ranking“ erstellt.
Als Hochzeitscrasher im schönsten Mädchenkleid mich unter die Gäste gemischt.
Ich weiss ziemlich genau was ich will.
Und das alles weiss ich schon verdammt lang.
Ich möchte Familie um mich, hunderte Freunde, Kinder die Ringe bringen, Ballone die davon fliegen.
Ich möchte einen gewaltig grossen Apero von „meiner“ Bäckerei.
Ich weiss wie mein Ring ausschaut.
Ich möchte einen Zauberer.
Es soll alles geben. Von Süss bis Salzig. Von Kalt zu Warm. Alles..
Ich möchte einen Starfotographen. Abertausend schöne Bilder.
Es soll Musik haben. Meine Lieblingsmusik. Nicht live aber aber ab CD.
Ein Altmodisches Kinderkarussell.
Ich möchte das Swissjazz Orchestra das Scharlachrot spielt. Darin Büne Huber der nur für mich singt...Bitte in einem Anzug. Argh...
Eine gemietete Eleanor.
Es soll zu Shout getanzt werden. Stundenlang. Wie sich das für einen Wedding Crasher gehört!
Anstatt einem Polterabend, da sind wir uns übrigens einig, wir hassen Polterabende, verbringe ich eine Woche in der Karibik.
Mit meinen Freundinnen.
Und viel Pina Colada.

Irgendwann in unserer langjährigen Beziehung hat dieses nicht verheiratet sein keine grosse Rolle mehr gespielt. Erst Recht ab diesem Zeitpunkt wo ich in kein Traumvorstellungskleid mehr gepasst habe.
Ich hatte immer 2 Vorsätze.
Ich heirate nicht schwanger und ich will nicht die Dickste auf dem Fest sein.

Während ich still meine Träume begraben habe hatte Ro zu diesem Thema noch immer genau eine Meinung.
Nämlich keine.

Ich habe ihm zwei Ultimatum gestellt.
Das Erste ist im Herbst 2003 mit der Eröffnung der Dritten Baregg Röhre verstrichen.
Bis dann wollte ich eigentlich verheiratet sein.
Um dann eine Familie zu gründen.
So mit 25...


Ich habe dann 2009 unser erstes Kind geboren.

Alle gemeinsamen Träume haben wir bis dorthin erfolgreich umgesetzt.
Wir haben ein Haus gekauft.
Ausbildungen und Weiterbildungen abgeschlossen.
Jedes Jahr neue Autos gekauft.
Waren zig Mal im Urlaub und haben eigentlich ein recht angenehmes Leben geführt.
Sind als Familie zusammen gewachsen.
Halt mit 2 Nachnamen aber als sehr gutes Team.
Wir ergänzen uns.
Wir vertrauen uns blind.
Und ja, wir lieben uns.

2012 haben wir dann mit der Geburt vom zweiten Wunschkind unsere Familie komplett gemacht.
Wir hatten in den vergangenen sechzehn Jahre verdammt viel Glück.
Ich habe einen TOP Partner an meiner Seite.
Nach 16 gemeinsamen Jahren habe ich fast mein halbes Leben einen besten Freund.

Mein zweites Ultimatum welches offen kommuniziert wurde war dass ich nicht mehr heirate nachdem unser Sohn in dem Kindergarten ist. Mit dem Namen welcher es sich am ersten Tag vorstellt wird er leben. Sein Leben lang.
Unser Sohn kommt diesen August in den Kindergarten.

Und siehe da...


Gestern. Am 6.6. 2014 habe ich die Hosen ausgezogen. Auch ein „Widdergrind“ muss mal nachgeben!
Exakt 16 Jahre nach unserem Ersten Kuss.
Ich bin in ein kurzes, weisses gestiegen und habe im engsten Freundes/Familienkreis ohne Tamtam und ohne Spiele geheiratet.
Wir haben eine Lösung gefunden die uns beiden zusagt.
Für alle Überraschend. Wir haben dieses Geheimnis über ein halbes Jahr geheim gehalten und unsere Familie und die engsten Freunde erst am Morgen vom Hochzeitstag informiert. 
Ebenso, die nicht gemieteten, Trauzeugen....!!


Und jetzt Shout…,
Verdammt ich schrei vor Glück!
Eve

https://www.youtube.com/watch?v=QxCHyA10XJU
oder noch viel geiler und mehrmals live erlebt!
https://www.youtube.com/watch?v=TuHF29SkWsI (ab 5:45)



Nachtrag:
Ich sage euch es war ein wunderschöner Tag. Beinahe schon unvorstellbar perfekt. Wir haben hier ein unglaubliches Grüppli Menschen um uns. Sie sind spontan und sehr aufmerksam. Abgesehen davon dass ich Büne Huber gestern nicht am Hallwilersee angetroffen habe und die Eleanor durch ein schnelles Boot ersetzt wurde könnte ich jetzt keinen Punkt erwähnen der mir so spontan gefehlt hätte.

Danke euch.












Montag, 19. Mai 2014

Chellemuur

Lange Zeit war es ruhig hier. Nun bin ich retour. Mit einer traurigen Geschichte. Doch keine Angst. Es wird auch wieder lustiger. Wie sagt man so schön. Nach dem Regen scheint die Sonne.
Ich wünsche euch einen tollen Sommer.
Hebed euch Sorg!
Liebe Grüsse,
Eve






Heute habe ich einen Grossvater mit seiner Enkelin gesehen. Sie sind auf dem Weg zur Bushaltestelle. Er schiebt den Buggy. Er ist alleine unterwegs. Er schiebt den Wagen ganz nah an der „Chellemuur“ vorbei. So dass die Kleine mit ihrer flachen Hand den Steinen entlang streicheln kann. Kennt jeder, dieses tolle Gefühl, oder?
Das Mädchen und ihr Opa lachen. Ich bin mit der ganzen Familie von dieser kleinen Zuckermaus aufgewachsen. Er war bereits ein genialer Vater. Er hat mich oft zu Fussballspielen mitgenommen. Er hat ein riesiges Herz. Einfach ein guter Mensch. Mein Vater hat sich sehr gut mit ihm verstanden.
Schlagartig bin ich traurig. Sehe die 4 Enkelbuben, die mein Vater heute hätte vor mir. Sehe diese Werkstatt. Mein Vater hätte „allwäg“ keine Buggies alleine durchs Dorf geschoben, vor allem auf keinen Fall zur Bushaltestelle. Nein! Aber er hätte mit den Buben gearbeitet. Stundenlang.

Dieses Sterben ist eine komplizierte Sache. Nie hätte ich gedacht, dass ich einmal daran gewöhne, keinen Papi mehr zu haben.
Doch die Zeit heilt Wunden. Dieser unglaublich blöde Spruch. Vor allem kurze Tage erzählt bekommen nachdem du einen lieben Menschen verloren hast, stimmt wirklich.

Am Anfang wollte ich ihn immer anrufen. Wenn ich etwas gebacken habe, zum Beispiel. Er hatte immer viel Interesse an meinen Sachen.
Wenn ich irgendwo mitgeholfen habe zu organisieren, habe ich immer darauf gewartet, dass er jeden Moment um die Ecke kommt. Beide Hände in seinen Jeanstaschen. Grinsend auf einem Mundwinkel und so verdammt stolz auf mich.

Mein Vater hatte 3 Töchter und war zu jedem Zeitpunkt in seinem Leben interessiert an dem, was wir machen. Mein Gott, er hat vieles nicht verstanden, aber er war immer anwesend. Ich glaube, nie kam ein schlechtes Wort über uns über seine Lippen. In seinen Augen und vor allem in seinem Herzen waren wir perfekt!
Heute habe ich mich mit seinem Tod arrangiert. Ich habe Frieden geschlossen. Wer dieses grausamen und tödlichen Asbest kennt oder noch besser unseren Papi weiss, dass es so um einiges besser ist.

Doch dann gibt es die Momente wo ich weiss, dass sie für mich und meine Familie schwer werden.
Auch wenn ich ihn nicht mehr täglich versuche anzurufen. An solchen Tagen versuche ich mich auf das Kommende vorzubereiten. Versuche stark zu sein. Bereite mich vor. Bin die grosse Schwester, die älteste Tochter...

Das sind Tagen, wo wir als Familie voller Freude über die baldige Ankunft von einem Amerikanerli erfahren. Und uns allen schmerzhaft bewusst ist dass er nicht dabei sein wird. An Tagen wo meine kleine Schwester ihren zweiten Sohn geboren hat und ich die Fotos von Mami mit ihrem vierten Enkel knipse. Nicht er, der normalerweise solche Fotos macht. An Tagen wo ich das Gebackene ganz einfach selber esse und ein bisschen stolz bin.

Dann gibt es Tage, die sind nicht absehbar und ein Ereignis, ein Bild oder ein kurzer Moment schmettern dich zurück. Stellen dir die Luft ab und treiben dir die Tränen in die Augen. Genau wie heute. Dieser kurze, innige und wunderschöne Moment zwischen Opa und Enkelin. Oft kommt dann in meinem Fall zu den Tränen auch die Wut. Ich werde grausam „verrockt“. Warum dürfen wir ihn nicht noch ein bisschen bei uns haben? Ein bisschen „Mauerstreichelnfeeling“ haben. Zeit als grosse und wachsende Familie!

In solchen Momenten hilft es mir zu wissen, dass meine Mutter da ist. Das Leben geht weiter. Geht es immer!
Fehlen tut er trotzdem. Danke Mami, dass du diese Lücke versuchst zu füllen. DU bist ein grossartiges Grosi!

Freitag, 21. Februar 2014


Als ich diese Geschichte im Kopf „z‘Fade gschlage“ habe, stand ich gerade unter der Dusche. Meine Kinder spielten friedlich im Kinderzimmer.
Noch war ich mir nicht bewusst, was für eine dramatische Wendung diese Kopfgeschichte gleich noch machen würde.
Alle Risikofallen hatte ich weggeschafft oder in sicherer Höhe verstaut.
Ich hatte das Absperrgitter zu gemacht und hörte auch unter der Dusche, was dort so abgeht.
Perfekt organisiert das Ganze!

Ich wollte über den normalen Stress einer berufstätigen Mutter schreiben.
Darüber, wie grausam viel Arbeit das Zurarbeitgehen mit sich bringt.
Darüber, dass das kein Ehemann, Partner verstehen kann. Auch wenn er sonst so ganz fest sich im Familienleben mit einbringt. So wie das mein Partner tut.
Er findet mein Pensum lachhaft und versteht absolut nicht, was daran problematisch oder stressig sein könnte.
Er, der tagtäglich viele Emails und Telefonate hat.
Organisieren und Planen muss.
Mitdenken..
5 Stunden sagt er immer zu mir...Was soll daran bitte stressig sein?!
Er, der jeden Morgen in einer Mordsfrühe das Haus verlässt. Eingekleidet in einem frisch gebügeltem Hemd von mir. Ohne Stress oder Kinder, die beschäftigt werden müssen.
Die müssen angezogen werden. Igs tausend mitgeh Sachen müssen bereitgestellt werden.
Ich fühle mich ammigs wie vor den Ferien. Und dann, wenn alles bereit ist, muss ich mich selber noch bereit machen.


Versteht mich bitte nicht falsch. Ich arbeite sehr gerne. Habe ein grandioses Team und meine Arbeit macht mir viel Freude, aber bis ich dort bin ist es, bescheiden gesagt, eine riesen Büetz!
Schon nur bei einem homöopathischen Pensum von 20 Prozent. Soviel arbeite ich nämlich!

Wenn ich ehrlich bin hasse ich es.

Oft arbeite ich erst nach dem Mittag. Das heisst, ich habe den Morgen noch für uns. Ich mache das Frühstück und versuche das ganze Erdgeschoss wieder in ein normales Wohnzimmer zu verwandeln. Ich gebe mir grösste Mühe, das Haus so zu verlassen, dass, wenn ich abrupt sterben würde, kein allzu grosses Chaos im Haus hinterlassen würde.
Kurz vor dem Mittag versuche ich dann meine gesamten 170 Zentimeter auf ein Maximum zu pimpen.
Das heisst ich dusche mich. Dann mache ich die Haare, schminke mich uns ziehe mich ordentlich an.
Alles Sachen, die an den anderen 6 Wochentagen nicht zwingend notwendig sind.
Natürlich könnte ich auch am Abend zuvor duschen. So wie sonst. Das bringt einfach nichts, weil ich dann bis 12 Uhr wieder nicht businessmässig daher komme. Meine Kinder sehen immer wie aus dem Ei gepellt aus. An mir klebt immer irgendwo Zmorgenresten, die Schnupfennase wird an mir abgeputzt und ich bin schön geschätzte 20 Mal ins erste Stockwerk hochgetrabt und habe lebenswichtige Sache meinen Söhnen gereicht. Kurz, ein Halbmarathon ist wenig dagegen und ich müffele...

So wechsle ich also kurz vor 13 Uhr frisch geduscht und die Haare schön das Stockwerk und schaue in Unterwäsche bekleidet meinen Söhnen beim Spielen zu. Diese sind zu diesem Zeitpunkt bereits angezogen und gefüttert. Frische Windeln am Arsch und eigentlich bereit, das Haus zu verlassen.

Während ich mich schminke fangen die beiden einen kleinen Streit an. Der kleine Mann ist auf dem Hochbett und das passt dem grossen gar nicht. In weiser Voraussicht habe ich unter das Hochbett unseren Fatboy deponiert. Im Spiegelkasten habe ich die beiden in Blick. Ich sehe mit einem Auge, wie der Grosse sich vor dem Kleinen aufplustert. Er hat Angst, dieser könne runterstürzen. Der Kleine stösst diesen und will an ihm vorbei. Spontan kommt mir Manni Matter in den Sinn und ich stimme in ein Hansjakobli und‘s Babettli ein. Der Grosse singt mit und springt vom Hochbett.(Anmerk. Für alle Übermütter, wir haben kein sehr hohes Hochbett!). Der Fatboy rutscht mit. Mir schwant nichts Gutes. Daher lege ich das Schminkzeug weg.
Der Kleine schnallt noch nicht, dass der Grosse weg ist und stösst immer noch aber nun, leider, ins Leere!!

Ich hechte los. Halbnackt. Versuche panisch das Absperrgitter zu lösen und komme nur ein zwei Sekunden zu spät. Der kleine Mann fällt elegant, grindsvoraaa, in die kleine Lücke zwischen Fatboy und Hochbetttreppe.
Lotto!

Ich nehme ihn Hoch. Suche das Blut. Nix.
Wuff.
Kein Blut ist immer ein gutes Zeichen.
Auf meinem frisch bezogenen Bett untersuche ich ihn.
Keine Schramme. Keine Beule.
Erleichterung macht sich in mir breit.
Nocheinmalgutgegangen...denke ich atemlos!


Dann höre ich ein Würgen und bemerke wie mir mein Sohn in meine frisch gewaschenen Haare kotzt!
Wieder zu spät... denke ich!
Scheisse.

Vor dem inneren Auge sehe ich, wie die Zeit knapp wird. Ich muss noch einmal unter die Dusche. Wir alle brauchen neue Kleider und ich müsste doch jetzt den Kleinen beobachten. Ist er auffällig, fehlt im etwas. Mein Gott wäre es einfach jetzt zu Hause zu bleiben. Zusammen ins Bett zu gehen und etwas Mittagsschlaf zu halten?

Als ich meinem Partner davon berichte und ein bisschen Unterstützung erbettle, fragt er mich nur: Was macht denn der Kleine auf dem Hochbett?!
Entnervt versuche ich ihm klar zu machen, dass ich mich am bereitmachen bin. Für meinen Job. Dass sie ja irgendwo sein müssen. Ich sie nicht non stopp eins zu eins betreuen könnte.
Aber er, er der jedem Morgen in aller Ruhe das Haus verlässt, er hat natürlich keine Ahnung wie das hier alles zu und her geht...


Er versteht es natürlich nicht...aber ihr, ihr versteht mich doch, gelled?!

Herzliche Grüsse,
Eve

Montag, 10. Februar 2014

Apfelbaum


Meine Fresse...
Wo komme ich bloss hin.
An gewissen Tagen bin ich ein emotionales Wrack.
Durch die Geburt von meinen Söhnen werde ich mit Sachen konfrontiert, von denen ich nie im Leben gedacht habe, dass sie mich einmal „bodigen“ und mir fehlen!!!

Als wir letztes Jahr den Weihnachtsbaum aufgestellt haben, sagte ich zu meinem Partner: „Nächstes Jahr brauchen wir ihn nicht mehr auf das Laufgitter zu stellen. Ich glaube, das räume ich im neuen Jahr weg. Das brauchen wir nicht mehr.“

Salopp gesagt.

Da stehe ich also letzte Woche im Wohnzimmer und hole in einem Anfall von Putzwut den Schraubenzieher. Hatte kurz zuvor schon die ganze Küche ausgeräumt und war top motiviert.
Ordnung muss her.
Ich brauche Platz!

Wir reden hier von einem uralten Laufgitter. Visa Gloria. Naja wenn ich ehrlich bin, so uralt auch nicht. Nur meine Mutter war schon da drinnen..und natürlich wir...und jetzt meine Buben...und mein Patenkind...

Mein Vater hat es nach meiner Geburt mit einem warmen kuscheligen Teppichboden ergänzt und kippsicher gemacht. Es hat einen festen Boden und ist einfach ein tolles Teil. Hat halt eine Geschichte.
Um es auseinander zu nehmen musste ich vier Schrauben lösen.

Nach den ersten drei musste ich eine Pause machen. Ich sass also da mit einem Kaffee und beobachtete das Teil.
Mein Hals schnürte sich zu und mir wurde ganz anders...
Als ich dann die vierte Schraube gelöst hatte und unter den handgemachten Metallteilen noch die Hinweise zum Montieren von meinem Vater sah, kollabierte ich. Ich überlegte kurz ob es echt auffallen würde, wenn ich es einfach für die nächsten 18 Jahre so dort stehen liesse. Eigentlich brauche ich ja diesen Platz gar nicht zwingend. Eigentlich stört es ja gar nicht. Eventuell brauchen wir es auch diese Weihnachten noch? Vielleicht kommen ja auch mal kleine Kinder zu Besuch und ich bin dankbar für dieses Laufgitter....

Der Gedanke daran, dieses Laufgitter niemals mehr aufstellen zu können hat mir die Tränen in die Augen getrieben!
Ich sass da, weinte um ein altes Holzteil und wusste zu jedem Zeitpunkt, dass ich völlig meschugge bin.


Vor gut sieben Jahren haben wir unser Haus gekauft.
Lange haben wir nach einem Geeigneten gesucht.
Wir haben zig Objekte angeschaut bis uns klar war, dass wir in das Dorf zurück wollten in dem wir beide aufgewachsen sind.
Für uns stand, als dieser Entschluss feststand, bauen nicht zur Diskussion. Unsere Traumplätze sind entweder privat oder (noch) nicht eingezont. (Ich bin auf der Lauer...)


Als ich unser zukünftiges Haus zum ersten Mal gesehen habe, war ich noch nie zuvor an dieser Strasse.
Das wiederum ist ein „weneli“ speziell. Reden wir doch von einem kleinen Dorf.
Eigentlich dachte ich, ich kenne alles hier!
Das war nicht so..

Das Haus liegt an einer privaten Sackgasse und schaut noch aus wie ein Haus.
Mein Puls hat sich schon nur beim Betrachten der Strasse verändert. Ich sah meine noch ungeborenen Wunschkinder fahrradfahren und spielen.
Es hat ein grosses Grundstück, wovon man wenn man nicht die Trittsicherheit einer Geiss hat nicht wirklich viel benützen kann. Das kommt daher weil unser Haus das letzte war, wo der Aushub von Hand gemacht wurde. Hatte glaube ich schon damals niemand gross Bock einen halben Berg von Hand wegzupickeln.
Direkte Nachbarn hat es hier, aber jeder hat genug Platz und sie sind sehr freundlich .
Ein bisschen heile Welt, hier bei uns hinten..






Als wir also dieses Haus zum ersten Mal sahen, war es Frühling. 25. April 2007. Ein wunderschöner Tag.
Rechts vom Haus steht ein grosser Apfelbaum.
Heute kenne ich die ganze Geschichte von meiner Strasse. Auch von diesem Baum.

Dieser Baum ist älter als unser Haus. Er wird auf sicher hundert Jahre geschätzt. An diesem sagenhaften und für uns so wichtigen Frühlingstag war dieser Baum in voller Blüte. Ein weisser Traum mit einem leichten rosa Akzent.
Da der Baum bestimmt 6 Jahre nicht mehr geschnitten wurde, war er zu diesem Zeitpunkt riesig. Es schien als stehe eine halbe Kugel Blüten auf der Wiese.
Ein Traum.
Ich bin eine Frau. Ich sah die Lage von diesem Haus, dieses Blütenmeer von einem Baum und wollte dieses Haus!
Basta.
Wird schon passen. Drinnen. Dachte ich mir.

Es hat auch gepasst, das Haus. Noch heute passt es.
Das mit dem Baum hat weniger gepasst.
Wie ich anhand vom Laufgitter wohl aufzeigen konnte, liebe ich alte Sachen.
Ich gebe da nicht so rasch auf.
Dass der Baum nicht gesund war, sahen wir schon im ersten Winter.
Wir liessen in extrem stutzen.
Viele Äste waren abgeknickt und kaputt.
Nie mehr hatte er so schöne Blüten wie an diesem Tag.
Aber saumässig viele Blätter hatte er noch immer.
Im Herbst. Am Boden.
Und Äpfel.
Sehr viele Äpfel.
Was sicherlich sinnvoll ist an einem Apfelbaum.
Wenn man dann Äpfel mag.
Ich mag sie nicht! 

Aber, und das muss ich fairheitshalber sagen, der Baum hatte auch sein Gutes. Ich hatte eine Schaukel daran. Dort mit meinen Söhnen zu „hängen“ war traumhaft.

Leider wurde das immer gefährlicher. Wir mussten davon ausgehen, dass er hohl und stark einsturzgefährdet ist.
Darum musste er weg. An einem Samstag im Januar war es dann soweit. Die bestellen Männer starteten mit Vorfreude die Motorsägen.
Als er dann so dastand. Der Baum. Ohne Äste und jedem Baum im Bäregrabe in Bern Konkurrenz machte, fragte ich meinem Partner: „Wa meinsch, mache mer s‘Rechtige?!“ Er schaut mich kurz entgeistert an und meint dann trocken: „Ich beförchte för söttigi Öberlegige esch es z spot...!“
Als ich dann sah, wie kaputt und hohl der Baum war, machte sich in mir eine grosse Erleichterung breit. Ich darf ab sofort die 5 Äpfe,l welche ich pro Woche brauche bei der Bauersfrau im Dorf frisch kaufen. Muss kein Laub mehr auflesen und verdammt auch kein Äpfel aufkratzen von der Strasse wenn „Fremde“ mit dem Auto darüber gefahren sind. YES!





Gebodigt hat mich dann nur das Seil von der Schaukel. Als es so dalag. Auf der Wiese. Erneut schossen mir die Tränen in die Augen und ich sah, wie mein Vater mir half, die Schaukel zu montieren. Für meinen Sohn. Damit es auch hält...

...verdammt hört das denn nie auf?

Liebe Grüsse,
Eveline


Ajo...der Baum lebt weiter. Mein Nachbar schnitzt irgendetwas aus ihm ;o)

Samstag, 1. Februar 2014

Nein, Nein, Nein... JA!


Schon eine halbe Ewigkeit besuche ich mit meinem Sohn die Physiotherapie.
Lange habe ich der ganzen Welt versucht zu erklären, dass ich ihn auch behalte, wenn er niemals im Leben das Laufen erlernt.
Was er aber natürlich tun wird...irgendwann. Das war allen von Anfang an klar.
Das wurde mir immer gesagt.
Er ist ja nicht krank oder behindert.

Er ist einfach ER!

Lange habe ich nicht verstanden, wofür diese Therapie gut sein soll.
Ich habe an die enormen Gesundheitskosten in der Schweiz gedacht und mich ehrlich gesagt grausam über diese verordneten Stunden genervt.
Habe es als unnötige Geldmacherei angeschaut.
Verstand meinen sonst genialen Kinderarzt nicht.
War sauer auf die Therapeutin.
Einfach, weil sie es war die aufzeigte, was nicht gut war.
Auch wenn sie nett zu uns war. Ich war wütend auf sie. Ganz weit in mir drinnen!
Habe mich darüber gestört, dass man Kinder nicht mehr Kinder sein lässt.
Alle vergleichen und normen will.
War traurig, warum uns das passiert.

Er nicht selbst bestimmen darf wann ER etwas erlernen will.
Dass man mir non stopp Angst macht.
Immer dieses Kopfkino..
Ist er wirklich nicht behindert?
Fehlt im wirklich nichts?

Nur weil der kleine Racker auch mit neun Monaten noch nicht krabbeln wollte!

Dann habe ich einer Freundin davon erzählt. Und dieser wunderbare Mensch, diese grandiose Mutter, mein Mami Vorbild, hat mich angehört und mich dann gefragt:
„Jo ond, Eveline, goht er de gern?“

Gute Frage!
Und wie so oft war diese kleine Frage so ein wichtiger Denkanstoss.
Einmal in sich zu gehen. Das Ganze von Aussen anzuschauen. Diesen kritischen Standpunkt zu verlassen. Aufzuhören auf die ganze Welt wütend zu sein. Es zu akzeptieren.
Das Gute darin zu sehen.
Auf das Bauchgefühl zu vertrauen!

Ja, sprudelt es aus mir raus. Er liebt es! Er geniesst diese Stunde nur mit mir und er turnt für sein Leben gern! Fahre ich mit dem Auto am Gebäude vorbei, fuchtelt er mit seinen kleinen Armen und zeigt mir deutlich, dass er gerne dort ist. Es gibt kein Halten, er will dorthin.
Er mag die Therapeutin.
Kurz, er mag alles dort.
UND ICH?
Ich mag die Stunde. Diese Stunde nur mit meinem kleinen Sohn!
Und wenn ich ganz ehrlich bin, auch ich mag die Frau. Seine Therapeutin!

Wie Vieles wurde einfacher. Wie Vieles ist einfacher wenn man es akzeptiert. Nicht wütend ist.
So wunderbare Möglichkeiten entstehen. Wenn man sich auf etwas einlässt und das Positive daran sieht.

Heute habe ich lange mit der Therapeutin geredet. Privat. Ganz tolle Ansichten hat diese Frau. Viele wie ich.
Auch sie ist Mutter.
Sie macht ihren Job, ich meinen.
Ihr Unrecht zu tun, nur weil sie mein Kind therapiert, war nicht fair und ziemlich dumm von mir!





Ich bin meinen Freunden so dankbar.
Dafür dass sie mich anhören.
Nicht immer meiner Meinung sind.
Und trotz Dauerbequatschung von meiner Seite ihren Standpunkt vertreten und mir ab und an die Augen öffnen...

...so wie ich vielleicht euch jetzt.

Danke fürs Zuhören und Umsetzen.

Nicht alles ist schlecht!
Nicht immer ;o)

Herzliche Grüsse,
Eve