Montag, 19. Mai 2014

Chellemuur

Lange Zeit war es ruhig hier. Nun bin ich retour. Mit einer traurigen Geschichte. Doch keine Angst. Es wird auch wieder lustiger. Wie sagt man so schön. Nach dem Regen scheint die Sonne.
Ich wünsche euch einen tollen Sommer.
Hebed euch Sorg!
Liebe Grüsse,
Eve






Heute habe ich einen Grossvater mit seiner Enkelin gesehen. Sie sind auf dem Weg zur Bushaltestelle. Er schiebt den Buggy. Er ist alleine unterwegs. Er schiebt den Wagen ganz nah an der „Chellemuur“ vorbei. So dass die Kleine mit ihrer flachen Hand den Steinen entlang streicheln kann. Kennt jeder, dieses tolle Gefühl, oder?
Das Mädchen und ihr Opa lachen. Ich bin mit der ganzen Familie von dieser kleinen Zuckermaus aufgewachsen. Er war bereits ein genialer Vater. Er hat mich oft zu Fussballspielen mitgenommen. Er hat ein riesiges Herz. Einfach ein guter Mensch. Mein Vater hat sich sehr gut mit ihm verstanden.
Schlagartig bin ich traurig. Sehe die 4 Enkelbuben, die mein Vater heute hätte vor mir. Sehe diese Werkstatt. Mein Vater hätte „allwäg“ keine Buggies alleine durchs Dorf geschoben, vor allem auf keinen Fall zur Bushaltestelle. Nein! Aber er hätte mit den Buben gearbeitet. Stundenlang.

Dieses Sterben ist eine komplizierte Sache. Nie hätte ich gedacht, dass ich einmal daran gewöhne, keinen Papi mehr zu haben.
Doch die Zeit heilt Wunden. Dieser unglaublich blöde Spruch. Vor allem kurze Tage erzählt bekommen nachdem du einen lieben Menschen verloren hast, stimmt wirklich.

Am Anfang wollte ich ihn immer anrufen. Wenn ich etwas gebacken habe, zum Beispiel. Er hatte immer viel Interesse an meinen Sachen.
Wenn ich irgendwo mitgeholfen habe zu organisieren, habe ich immer darauf gewartet, dass er jeden Moment um die Ecke kommt. Beide Hände in seinen Jeanstaschen. Grinsend auf einem Mundwinkel und so verdammt stolz auf mich.

Mein Vater hatte 3 Töchter und war zu jedem Zeitpunkt in seinem Leben interessiert an dem, was wir machen. Mein Gott, er hat vieles nicht verstanden, aber er war immer anwesend. Ich glaube, nie kam ein schlechtes Wort über uns über seine Lippen. In seinen Augen und vor allem in seinem Herzen waren wir perfekt!
Heute habe ich mich mit seinem Tod arrangiert. Ich habe Frieden geschlossen. Wer dieses grausamen und tödlichen Asbest kennt oder noch besser unseren Papi weiss, dass es so um einiges besser ist.

Doch dann gibt es die Momente wo ich weiss, dass sie für mich und meine Familie schwer werden.
Auch wenn ich ihn nicht mehr täglich versuche anzurufen. An solchen Tagen versuche ich mich auf das Kommende vorzubereiten. Versuche stark zu sein. Bereite mich vor. Bin die grosse Schwester, die älteste Tochter...

Das sind Tagen, wo wir als Familie voller Freude über die baldige Ankunft von einem Amerikanerli erfahren. Und uns allen schmerzhaft bewusst ist dass er nicht dabei sein wird. An Tagen wo meine kleine Schwester ihren zweiten Sohn geboren hat und ich die Fotos von Mami mit ihrem vierten Enkel knipse. Nicht er, der normalerweise solche Fotos macht. An Tagen wo ich das Gebackene ganz einfach selber esse und ein bisschen stolz bin.

Dann gibt es Tage, die sind nicht absehbar und ein Ereignis, ein Bild oder ein kurzer Moment schmettern dich zurück. Stellen dir die Luft ab und treiben dir die Tränen in die Augen. Genau wie heute. Dieser kurze, innige und wunderschöne Moment zwischen Opa und Enkelin. Oft kommt dann in meinem Fall zu den Tränen auch die Wut. Ich werde grausam „verrockt“. Warum dürfen wir ihn nicht noch ein bisschen bei uns haben? Ein bisschen „Mauerstreichelnfeeling“ haben. Zeit als grosse und wachsende Familie!

In solchen Momenten hilft es mir zu wissen, dass meine Mutter da ist. Das Leben geht weiter. Geht es immer!
Fehlen tut er trotzdem. Danke Mami, dass du diese Lücke versuchst zu füllen. DU bist ein grossartiges Grosi!

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